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Analyse: Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur – Trends und Ausblick | Ukraine-Analysen | bpb.de

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Analyse: Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur – Trends und Ausblick Ukraine-Analyse Nr. 327

Konrad Muzyka

/ 10 Minuten zu lesen

Russland setzt im kältesten Winter seit Beginn der Vollinvasion auf gezielte Luftangriffe gegen die ukrainische Energieinfrastruktur, um die Bevölkerung frieren zu lassen.

Ganze Wohnblöcke sind in der Ukraine im Kriegswinter 2025/26 ohne Strom und Wärme; die Menschen werden, wie hier in Kyjiw, in notdürftigen Unterkünften versorgt. (© picture alliance / Hennadii Minchenko)

Zusammenfassung

Russland hat seine Angriffe auf die kritische Energieinfrastruktur der Ukraine im Winter 2025/2026 massiv ausgeweitet – mit drastischen Folgen für die Zivilbevölkerung. Ziel ist es, landesweit die ukrainischen Energieerzeugungs- und Übertragungskapazitäten auszuschalten. Dabei setzt Russland auf eine effektive Kombination auf große Drohnenschwärme sowie den gezielten Einsatz von Raketen, um die ukrainische Luftabwehr zu überwinden.

Herausgeber der Länderanalysen

Die Ukraine-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Geografische Konzentration: Grenzregionen und Städte an der Frontlinie sind die vorrangigen Ziele

Seit dem Spätsommer 2025 greift Russland den ukrainischen Strom- und Gassektor systematisch und mit besonders großen Angriffswellen an. Bei den größten Angriffen wurden z. B. am 7. September mehr als 800 Angriffsdrohnen eingesetzt und am 8. November mehr als 450 Drohnen und 45 Raketen.

Die russischen Luftangriffe zeigen dabei eine klare und bewusste geografische Konzentration. Der Großteil der Drohnen- und Raketenangriffe richtet sich gegen die Grenzregionen der Ukraine und große Städte an der Front, insbesondere Tschernihiw, Sumy, Charkiw, Poltawa, Dnipropetrowsk, Saporischschja, Cherson und Mykolajiw. Diese Gebiete liegen in Reichweite russischer Abschussbasen und sind wichtige Knotenpunkte der ukrainischen Strom-, Gas- und Logistiknetze.

Die Verfügbarkeit billiger, massenhaft produzierter Geran-Drohnen [die auf den iranischen Shahed-Drohnen basieren, Anm. d. Red.] ermöglicht es Russland, Dutzende relativ kleiner, aber operativ wichtiger Knotenpunkte anzugreifen – insbesondere 110–330-kV-Umspannwerke, Schaltanlagen, Verteilzentren und Gasverdichterstationen –, von denen viele nahe der Grenze liegen. Die Absicht ist klar: Durch Angriffe auf wichtige Umspannwerke kann Russland ganze lokale Netze zusammenbrechen lassen, Städte wie z. B. Nischyn, Schostka und Nikopol isolieren und die Ukraine zwingen, knappe Reparaturteams und Luftabwehr von strategisch wichtigeren Zielen abzuziehen.

Die kartografierten Daten von Texty zeigen dieses Muster deutlich: Die Cluster der Angriffe stimmen mit den Standorten netzkritischer Transformatoren und wichtiger Ost-West-Übertragungskorridore überein, wo schon wenige erfolgreiche Treffer zu kaskadenartigen Ausfällen führen. Dieser gezielte Druck auf die Grenzregionen dient sowohl als Zermürbungsstrategie – indem Anlagen schneller zerstört werden, als die Ukraine sie reparieren kann – als auch als Vorbereitungsmaßnahme für tiefere Angriffe auf das Energiesystem des Landes.

Russland schwächt systematisch die ukrainischen Stromerzeugungskapazitäten

Russlands Angriffskampagne zeigt eine gezielte Konzentration auf die Zerstörung der Stromerzeugungskapazitäten der Ukraine, vor allem der thermischen (TPP), gasbefeuerten und hydroelektrischen (HPP) Kraftwerke, die für den schnellen Lastausgleich sorgen, auf den das Netz angewiesen ist. Im Gegensatz zu Kernkraftwerken, die eine stabile Grundlast liefern, können solche manövrierfähigen Anlagen ihre Leistung innerhalb von Minuten hoch- und herunterfahren und so das System in Spitzenzeiten oder Notfällen stabilisieren. Russland hat diese Anlagen im Herbst 2025 systematisch ins Visier genommen. Große Wasserkraftwerke entlang des Dnipro wurden wiederholt angegriffen, insbesondere am 10. Oktober, wodurch die Fähigkeit der Ukraine, auf plötzliche Nachfrageschwankungen zu reagieren, untergraben wurde. Wärmekraftwerke am linken Ufer von Kyjiw, die bereits in früheren Angriffswellen beschädigt worden waren, wurden Mitte Oktober erneut getroffen, mit der klaren Absicht, vor dem Winter sowohl die Strom- als auch die Wärmeerzeugung für die Hauptstadt auszuschalten. Darauf folgten am 22. Oktober koordinierte Marschflugkörperangriffe auf Wärmekraftwerke im Zentrum und Westen des Landes, was zeigt, dass sich die Angriffe Russlands nicht auf den Osten der Ukraine beschränken. Der Höhepunkt dieses Musters wurde am 8. November erreicht, als durch gleichzeitige Angriffe auf Anlagen von Zentrenerho deren Stromerzeugung auf null reduziert wurde, während Schäden an Umspannwerken, die die Kernkraftwerke Chmelnyzkyj und Riwne versorgen, die Fähigkeit des Netzes gefährdeten, Kernenergie dorthin zu transportieren, wo sie benötigt wurde. Durch die Beeinträchtigung der Manövrierfähigkeit beschädigt Russland nicht nur die Infrastruktur, sondern greift auch die Flexibilität des Stromnetzes an, wodurch jeder weitere Angriff destabilisierender wird und für die Ukraine schwieriger zu verkraften ist.

Gasförderung und Gastransportinfrastruktur unter Beschuss

Die russischen Angriffe haben den ukrainischen Gassektor unter den stärksten und anhaltendsten Druck seit Kriegsbeginn gesetzt. Die Gasförderfelder in den Oblasten Poltawa und Charkiw, die nur 50 bis 80 km von der Frontlinie entfernt liegen, sind seit Anfang Herbst 2025 zu vorrangigen Zielen geworden. Am 3. Oktober startete Russland einen Angriff, den ukrainische Behörden als den bisher größten Angriff auf die Gasproduktion bezeichnen. Dabei wurden rund 35 Raketen und 60 Drohnen gegen Anlagen von Naftohas eingesetzt, wodurch vorübergehend etwa 60 Prozent der nationalen Erdgasförderung lahmgelegt wurden. Die Situation verschärfte sich am 16. Oktober, als ein koordinierter Angriff von mehr als 300 Geran-Drohnen und 37 Raketen die Gasaufbereitungsanlage in Schebelinka sowie mehrere umliegende Produktionsstätten traf und langanhaltende Schäden an kritischen Anlagen verursachte. Bis zum 28. Oktober bestätigte Naftohas sieben massive Angriffe auf die Gasinfrastruktur innerhalb eines einzigen Monats. Russlands Kampagne gipfelte am 8. November im neunten großen Angriff innerhalb von etwa fünf Wochen, bei dem gleichzeitig die Förder-, Verarbeitungs- und Pipeline-Infrastruktur getroffen wurden.

Über die heimische ukrainische Produktion hinaus hat Russland auch versucht, die alternativen Importrouten zu stören: Am 6. August griff es die Kompressorstation Orliwka [an der ukrainisch-rumänischen Grenze, Anm. d. Red.] an, einem wichtigen Knotenpunkt der Trans-Balkan-Pipeline, die Flüssiggas (LNG) aus Griechenland und Testmengen aserbaidschanischen Gases in die unterirdischen Speicher der Ukraine leitet.
Zusammengenommen stellen diese Angriffe eine Veränderung in der russischen Strategie dar: Der Gassektor ist nicht mehr nur ein sekundäres oder opportunistisches Ziel, sondern ein primäres strategisches Ziel, das systematisch angegriffen wird, um sowohl die Stromerzeugung als auch die Heizkapazitäten im Winter zu untergraben und gleichzeitig die Fähigkeit der Ukraine zu begrenzen, Verluste durch europäische Importe auszugleichen.

Angriffe im Landesinneren gehen weiter

Ein Missverständnis in der öffentlichen Debatte – in der Ukraine und im Westen – ist, dass sich Russlands Kampagne auf die Energieversorgung im Jahr 2025 in erster Linie auf die östlich des Dnipro gelegenen Teile der Ukraine konzentriert und dass Angriffe tiefer im Zentrum und Westen der Ukraine begrenzt oder nicht nachhaltig sein werden. Die Angriffsdaten von August bis November 2025 widersprechen dem eindeutig. Zwar sind die Energieanlagen östlich des Dnipro aufgrund ihrer Nähe leichter zu treffen, doch hat Russland wiederholt sowohl seine Fähigkeit als auch seine Absicht unter Beweis gestellt, Infrastruktur im Landesinneren anzugreifen.

Der Angriff vom 22. Oktober markierte in dieser Hinsicht einen bedeutenden Vorstoß nach Westen. Russland setzte Langstrecken-Marschflugkörper – vor allem vom Typ Kalibr – ein, um große Wärmekraftwerke in den zentralen und westlichen Oblasten zu treffen, darunter auch Anlagen, die Hunderte von Kilometern von der Front entfernt lagen. Es folgten weitere Luftangriffe Anfang November, die in Angriffen auf das Wärmekraftwerk Chmelnyzkyj, Umspannwerke in der Region Riwne und Teile des 800–330-kV-Übertragungsnetzes, das westliche Industriezentren versorgt, gipfelten. Dieses Muster zeigt, dass Russland bereit ist, höhere Verluste bei Marschflugkörpern in Kauf zu nehmen, wenn der Gewinn dafür erheblich ist: die Ausschaltung von Kraftwerken weit entfernt von der Front, die Unterbrechung der Stromversorgung aus Kernkraftwerken und die Er zwingung von landesweiten Lastabwürfen in der Ukraine.

Angriffe tief im Landesinneren der Ukraine stehen auch im Einklang mit der sich entwickelnden Kriegsführung Russlands. Mit Geran-Drohnen greift Russland vor allem die Grenzregionen an und spart so seine knappen Marschflugkörper und modifizierten Langstrecken-Iskander für hochwertige Ziele im Landesinneren auf. Dadurch wird sichergestellt, dass kein Teil des ukrainischen Energiesystems wirklich sicher ist. Das Gesamtbild ist eindeutig: Trotz der Behauptungen, Russland werde „keine Raketen für den Westen verschwenden“, ist die Kampagne auf die ukrainische Energieversorgung mittlerweile landesweit, vielschichtig und strategisch integriert und zielt auf die Schwachstellen des Netzes ab, nicht nur auf geografisch günstige Orte.

Veränderte Angriffswellen

Die Daten über russische Raketen- und Drohnenangriffen zeigen , dass Russland nach der ukrainischen „Operation Spinnennetz“ am 1. Juni 2025 seine Langstreckenangriffe effektiv umgestaltet hat. Vor diesem Zeitpunkt startete Russland routinemäßig große Raketenangriffe, darunter eine bemerkenswerte Anzahl massiver Angriffe mit 80 bis 120 Raketen. Bei den 291 Raketenangriffen vor der „Operation Spinnennetz“ wurden durchschnittlich etwa fünfzehn Raketen eingesetzt, mit einem Median von fünf. Gleichzeitig gab es fast fünfzig Großangriffe mit dreißig oder mehr Raketen, die im Durchschnitt jeweils über sechzig Raketen umfassten. Dreizehn davon umfassten mehr als achtzig Raketen und bildeten die „klassischen“ Großangriffe mit 90 bis 120 Raketen, die wir in den Jahren 2022 bis 2024 beobachten konnten.

Nach dem 1. Juni 2025 ist dieses Muster vollständig verschwunden. Bei dreiundachtzig Angriffen nach der „Operation Spinnennetz“ sinkt die durchschnittliche Gesamtgröße nur geringfügig – von etwa 15,3 auf 14,3 Raketen –, aber die Zusammensetzung ändert sich grundlegend. Große Angriffe werden viel seltener und kleiner: Die mittlere Größe „großer“ Angriffe sinkt von einundfünfzig auf dreiundvierzig Raketen, der Durchschnitt von dreiundsechzig auf zweiundvierzig. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Ära der Angriffe mit 90 bis 120 Raketen vollständig zu Ende geht. Stattdessen sehen wir typischerweise Angriffswellen mit 30 bis 70 Raketen, eingebettet in weitaus größere Shahed-/Geran-Drohnenschwärme.

Diese Entwicklung wird durch einen dramatischen Wandel beim Drohneneinsatz vorangetrieben. Das tägliche Volumen an Langstreckenwaffen verdreifachte sich nach der „Operation Spinnennetz“, wobei aber fast die gesamte zusätzliche Menge auf Geran-Drohnen zurückgeht: Sie machen etwa 96 Prozent aller in der Zeit nach der „Operation Spinnennetz“ abgefeuerten Flugkörper aus. Russland verlagert somit seine Angriffsstrategie von einem kostspieligen Einsatz von Marschflugkörpern hin zu einem massiven Einsatz von Angriffsdrohnen. Raketen bleiben hingegen auf einem niedrigen und nahezu konstanten Durchschnittsniveau (ca. 6–7 pro Tag), werden jedoch seltener und in gezielten Angriffen eingesetzt, die auf hochwertige Knotenpunkte abzielen – Wärme- und Wasserkraftwerke, Gasaufbereitungsanlagen, Kompressorstationen und wichtige Umspannwerke, die Kernkraftwerke und das Hochspannungsnetz versorgen.

Auch die Abfangdynamik ändert sich deutlich. Vor der „Operation Spinnennetz“ fing die Ukraine durchschnittlich etwa 46 Prozent der russischen Raketen pro Angriff ab, danach sinkt dieser Wert auf etwa 34 Prozent, obwohl die Angriffe kleiner werden. Bei großen Angriffen bleibt die Abfangrate relativ stabil (ca. zwei Drittel), aber das Gesamtbild verschlechtert sich, da Russland zunehmend auf kleine und mittlere Angriffe insbesondere mit ballistischen Raketen und Waffen mit flacher Flugbahn setzt, die schwieriger abzufangen sind. Gleichzeitig sorgen gemischte Angriffe, bei denen Hunderte von Drohnen mit einem kleineren Raketenkontingent kombiniert werden, dafür, dass selbst bescheidene Raketenmengen die überdehnte und ausgedünnte ukrainische Luftabwehr durchdringen können.

Fazit und Ausblick

Zusammengenommen erklären diese Entwicklungen, warum die russische Kampagne gegen die ukrainische Energie- und Gasinfrastruktur im Herbst 2025 die zerstörerischste des Krieges ist. Die schwersten Schäden – an Gasfeldern und Verarbeitungszentren in den Oblasten Charkiw und Poltawa, an den Kohlevorkommen in Pawlohrad und Dobropillja, an der Wasserkraftwerkskaskade Dnipro, an den Wärmekraftwerken am linken Dnipro-Ufer in Kyjiw, an den Anlagen von Zentrenerho und kritischen 330–750-kV-Umspannwerken – wurden nicht durch die großen Angriffe mit mehr als 100 Raketen zwischen 2022–24 verursacht, sondern durch Angriffe mit 30–60-Raketen in Verbindung mit 100–800 eingesetzten Angriffsdrohnen sowie dem erweiterten Einsatz von Iskander-M- und S-300/400-Raketen. Dies sind genau die Systeme, die für die Ukraine am schwierigsten abzufangen sind und die größte Fähigkeit besitzen, kaskadierende Ausfälle [bei der Energieerzeugung, Anm. d. Red.] zu verursachen.

Die ukrainische „Operation Spinnennetz“ markierte daher einen entscheidenden Wendepunkt: Ab Juni 2025 verzichtete Russland auf kostspielige episodische Raketenangriffe zugunsten eines anhaltenden Drucks durch massive Drohnenangriffe und den vermehrten Einsatz ballistischer Raketen. Die Daten zeigen drei klare Trends: Große Raketenangriffe nehmen ab, ein höherer Anteil der Raketen kommt durch, und der kumulative Schaden an kritischer Infrastruktur steigt stark an. Diese Verschiebung ist qualitativ und nicht nur quantitativ – und die sich verschlechternde Luftabwehrkapazität der Ukraine verstärkt diesen Effekt nur noch.

Betrachtet man die russischen Angriffe aus einer linearen Perspektive, gibt es kaum Anzeichen dafür, dass Moskau beabsichtigt, den Druck auf das ukrainische Energiesystem im Winter 2025–26 zu verringern. Das Muster nach Juni 2025 deutet auf eine bewusste Verlagerung hin zu einer andauernden, mehrere Bereiche umfassenden Kampagne gegen kritische Infrastrukturen hin. Geran-Drohnen wurden zu einem Werkzeug der Massenvernichtung skaliert, mit regelmäßigen Drohnenschwärmen im Bereich von 300 bis 800 Stück, während Raketenangriffe – obwohl kleiner als in den Jahren 2022–24 – präziser ausgerichtet sind und hochwertige Ziele wie Kesselhäuser von Wärmekraftwerken, Gasaufbereitungsanlagen, Kompressorstationen und 330–750-kV-Umspannwerke ins Visier nehmen. Russland hat auch seine Bereitschaft gezeigt, mit Marschflugkörpern tief ins Landesinnere bis in den Westen der Ukraine vorzudringen, was der Annahme widerspricht, dass die Kampagne auf die linksufrige Ukraine beschränkt bleiben würde.

Die Logik der Angriffe ist nun konsistent: Erst werden mit Drohnen die Luftabwehr und die Reparaturkapazitäten an der Peripherie erschöpft und fragmentiert, um dann mit einer geringeren Anzahl von High-End-Raketen und ballistischen Systemen wichtige Ziele der Energieinfrastruktur im Landesinneren zu zerstören.

Angesichts der kumulativen Verschlechterung der thermischen, hydroelektrischen und gaserzeugenden Energieerzeugungskapazitäten der Ukraine wird jede weitere Angriffswelle auf ein zunehmend schwächeres Energiesystem treffen. Moskau hat seine Zielvorgaben noch nicht ausgeschöpft: Die verbleibenden TPP-Einheiten, die noch intakten Anlagen des Dnipro-Wasserkraftwerks, die an Kernkraftwerke angrenzenden Umspannwerke, die großen Speicherstätten und die verbleibende Kohle- und Gasversorgungskette bleiben weiterhin attraktive Ziele. Gleichzeitig zeigen Angriffe auf Kompressorstationen wie Orliwka, dass man sich der Bedeutung der Unterbrechung von Importwegen und Speicherlogistik bewusst ist und nicht nur der heimischen Produktion.

Sofern es nicht zu einer abrupten politischen Entscheidung in Moskau oder einer grundlegenden Veränderung der ukrainischen Luftabwehr- und Reparaturkapazitäten kommt, ist die realistischste Prognose eine anhaltende Offensive – mit dem Ziel, die Ukraine dauerhaft am Rande eines systemischen Zusammenbruchs zu halten, anstatt einen einzigen dramatischen landesweiten Stromausfall auszulösen.

Bisher hat Russland wiederholt davon abgesehen, das ukrainische Stromnetz vollständig zusammenbrechen zu lassen. Das Netz stand 2022 kurz vor dem Zusammenbruch, doch das Tempo der russischen Angriffe nahm ab. Mit der Massenproduktion von Geran-Drohnen hat Russland die Möglichkeit, dem ukrainischen Energiesystem weitaus höhere Kosten aufzuerlegen, als es bisher getan hat. Da Moskau weiterhin maximalistische politische Ziele in Bezug auf die Ukraine verfolgt, dürfte es nicht in seinem Interesse liegen, ein Land ohne Strom zu erobern. Dies könnte die Gesamtintensität der Angriffe begrenzen, selbst wenn sie in gleichbleibendem Rhythmus fortgesetzt werden.

Ein weiterer Faktor, der die Aussichten beeinflusst, ist das Tempo der ukrainischen Angriffe auf kritische russische Infrastrukturen. Wenn die ukrainischen Angriffe an Häufigkeit oder Wirksamkeit zunehmen, könnte sich Moskau gezwungen sehen, seine eigene Reaktion zu eskalieren und möglicherweise die Intensität oder die Zielauswahl seiner Kampagne zu ändern.

Der Text erschien im englischen Original auf dem Substack-Kanal von Konrad Muzyka, Externer Link: https://rochan-consulting.com/russian-strikes-on-ukrainian-energy-ci-trends-and-outlook/.

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Konrad Muzyka ist Gründer und Direktor von Rochan Consulting, die militärische Analysen mit Schwerpunkt auf Russland, Belarus und der Ukraine anbieten. Muzyka hat einen B.A. in Kriegs- und Sicherheitsstudien von der University of Hull und einen M.A. in Slawistik von der School of Slavonic and East European Studies am University College London. Außerdem ist er Non-Resident Senior Fellow im Eurasia-Programm des Foreign Policy Research Institute, wo er über militärische Angelegenheiten und geopolitische Trends im postsowjetischen Raum forscht.