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Clash Royale | Themen | bpb.de

Clash Royale Aus pädagogischer Sicht

Matthias Engel

/ 4 Minuten zu lesen

Die harmlose Grafik dieses Smartphone-Klassikers täuscht: Clash Royale ist ein taktisches Multiplayer-Spiel, das über ein ausgetüfteltes Belohnungssystem zum Geldausgeben animieren will.

Das kurzweilige Duell-Game ist kostenlos spielbar – wer zahlt, ist jedoch klar im Vorteil. (© Clash Royale / Supercell / Collage aus eigenen Screenshots)

Zusammenfassung

Clash Royale ist pädagogisch kaum wertvoll. Es schult zwar Taktik und Timing, aber das tun viele andere Spiele auch. Dass Clash Royale so erfolgreich ist, erklärt sich vor allem dadurch, dass es ständig kleine Erfolgserlebnisse ermöglicht. Das letztliche Spiel bleibt aber sehr einseitig. Auch wenn das Spiel bezüglich der Gewaltdarstellung unbedenklich ist, sollte man Kinder unter 12 Jahren Clash Royale nicht spielen lassen, da das Spiel ständig Anreize zum Geldausgeben setzt. Die kurzen Runde läppern sich zudem zu einer langen Spielzeit.

Ziel des Spiels ist es, die gegnerischen Türme zu zerstören. Dazu können Einheiten oder auch kurzlebige Gebäude auf dem Spielfeld platziert werden. (© Clash Royale / Supercell / eigener Screenshot)

Clash Royal ist seit Jahren ein Hit in den App-Stores. Im Google Play Store wurde es mehr als fünfhundert Millionen Mal heruntergeladen. Das Spielprinzip ist einfach: Man setzt Einheiten auf eine kleine Karte und versucht damit, die gegnerischen Türme zu zerstören. Die Einheiten und Gebäude werden in Form von digitalen Spielkarten gesammelt und aufgewertet. Das Spiel ist Free2Play, doch mittels In-App-Käufe gibt es Spielvorteile zu kaufen. Einige Figuren des Spiels basieren auf dem Spiel Clash of Clans, das von demselben, zum chinesischen Internetkonzern Tencent gehörenden Entwicklungsstudio stammt.

Spielprinzip: Tower Wars und Sammelkarten

Ein Duell dauert drei bis vier Minuten. Beide Seiten haben jeweils acht Karten in ihrem Deck. Mit dem Ausspielen einer Karte kann eine Einheit erschaffen oder ein Zauber platziert werden. Bei Einheiten muss ein gewisser Abstand zu den gegnerischen Türmen eingehalten werden. Zauber können dagegen direkt auf Türme oder auch Einheiten gespielt werden und richten dort Schaden an.

Während des Kampfes lädt sich am unteren Bildschirmrand eine Anzeige auf. Mit diesen Elixier-Punkten wird das Ausspielen der Karten bezahlt. Nur wer es schafft, mit der richtigen Kombination aus Einheiten ein Übergewicht auf dem Spielfeld zu erzeugen, kann gewinnen.

Königs- und Prinzessinnentürme

Die Einheiten, Zauber und Gebäude werden als Karten gesammelt. Je mehr man von einer Karte hat, desto höher steigt das Level und desto stärker wird die Karte. (© Clash Royale / Supercell / eigener Screenshot)

Das Spielfeld gliedert sich in Hälften, die durch zwei Brücken verbunden sind. Die untere Hälfte gehört stets der eigenen Armee, die obere der gegnerischen Armee.

Beide haben jeweils einen Hauptturm (Königsturm) und zwei Nebentürme (Prinzessinnentürme). Das Spiel ist entschieden, wenn der Königsturm zerstört wird. Läuft vorher die Zeit ab, gewinnt, wer mehr gegnerische Türme zerstört hat. Bei Unentschieden gibt es eine Verlängerung.

Sammelkarten

Neue Einheiten, Gebäude und Zauber gibt in Form von Sammelkarten. Es gibt zum Beispiel Ritter, Bogenschützen, Kobolde, Infernodrachen und Hexen. Die über 100 Karten sind ihrer Seltenheit entsprechend als Gewöhnlich, Selten, Episch oder Legendär markiert.

Die verschiedenen Karten können unterschiedliche Level aufweisen. Indem man eine Karte mehrfach erhält, kann man ihr Level erhöhen und damit auch die Angriffs- bzw. Verteidigungskraft der Einheit. Ist man Mitglied in einem Clan, kann man Karten anbieten und anfordern.

Spielmodi und Ligen

Im Zwei-gegen-Zwei-Modus sind Koordination und Teamplay entscheidend. Wer möchte, kann diesen Modus mit einer zufällig ausgewählen fremden Person bestreiten. (© Clash Royale / Supercell / eigener Screenshot)

Neben den Einzelkämpfen gibt es noch weitere Modi wie Turniere, Herausforderungen, Party, Touchdown und Clankriege. Viele dieser Modi sind nur zeitlich begrenzt spielbar.

Für das Zerstören von gegnerischen Türmen erhält man jeweils Trophäen. Hat man genügend Trophäen gesammelt, steigt man in eine höhere Arena auf. Mit jeder Arena schalten sich auch neue Sammelkarten frei.

Clans

Maximal 50 Personen können einem Clan beitreten. Dort können sie mit anderen Mitgliedern chatten und Testspiele machen sowie Karten spenden und erhalten. Innerhalb der Clans gibt es verschiedene Rollen, zum Beispiel Ältester oder Anführer. Mit diesen sind Berechtigungen wie das Einladen und Hinauswerfen von Mitgliedern verbunden.

Clans können am Modus „Clankriege“ teilnehmen. Ein Clankrieg dauert zwei Tage. Am ersten Tag werden Karten erspielt, die dann am zweiten Tag verwendet werden können. Ausgetragen werden die Kämpfe in Duellen gegen Personen aus dem anderen Clan. Am Ende werden die Wertungen des gesamten Clans zusammengerechnet. Auch Clans sammeln Trophäen und steigen in einem Ligensystem auf. Das Erreichen einer Liga entscheidet über die Qualität der Truhe, die man am Ende eines Clankriegs als Belohnung erhält.

KurzinfosClash Royale

  • Genre: Echtzeit-Strategie

  • Herausgeber: Supercell

  • Plattform: iOS, Android

  • Erscheinungsdatum: 2. März 2016

  • USK: Externer Link: nicht geprüft | IARC / Google Play: ab 12 Jahren | Apple App Store: ab 9 Jahren

  • bpb-Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Pädagogische Einordnung

Im Google Play Store wird eine auf dem Selbstklassifizierungssystem IARC basierende Altersempfehlung ab zwölf Jahren angegeben, während der Apple App Store das Spiel ab neun Jahren empfiehlt. Auch wenn Gewalt das grundlegende Prinzip des Spiels ist, so ist die Darstellung doch sehr abstrakt. Die Risiken stecken vielmehr im spieleigenen Belohnungssystem und den damit verzahnten In-App-Käufen.

Für jeden Stufenaufstieg erhält man zwei Truhen als Belohnung. Ohne kostenpflichtiges Abonnement lässt sich jedoch nur eine davon öffnen. (© Clash Royale / Supercell / eigener Screenshot)

In-App-Käufe

Der Fortschritt im Spiel und auch die Gewinnchancen können mit In-App-Käufen beschleunigt werden. Clash Royale ist also ein sogenanntes Pay2Win-Spiel – wer Geld ausgibt, kann leichter gewinnen. Die In-App-Artikel werden zu Preisen von bis zu 119,99 Euro pro Transaktion angeboten.

Neue Schatztruhen gibt es für gewonnene Kämpfe oder über den Kauf der Premium-Währung „Juwelen“. Die Menge an Gold und die Anzahl der Karten in den Truhen nimmt im Laufe der Level („Arenen“) zu. Außerdem gibt es kosmetische Verschönerungen wie Emotes für den Chat und Skins für die Türme. Der kostenpflichtige „Diamantpass“ erhöht die Menge der freigespielten Belohnungen. Belohnungs-Truhen in Videospielen werden auch „Lootboxen“ genannt. Dieses Belohnungsprinzip stellt einen Grenzbereich zum Glücksspiel dar. Besonders für Kinder sind solche Glücksspielelemente gefährlich.

Bindungsfaktoren

Clash Royale ist wie viele andere Free2Play-Titel darauf ausgelegt, Menschen in den Bann zu ziehen und letztlich an deren Geld zu kommen. Das Spiel lässt einen in den ersten Leveln gut vorankommen und bietet viele Erfolgserlebnisse. Durch das Ausgeben der Juwelen, die man zu Beginn hat, lernt man schnell, dass diese für die schnellere Entwicklung der eigenen Karten nützlich sind. Dies funktioniert dadurch, dass lange Wartezeiten im Spiel angelegt wurden, um beispielsweise bestimmte Truhen zu öffnen.

Spielende werden durch ständige Belohnungen bei der Stange gehalten. Lässt man die Benachrichtigungen zusätzlich noch eingeschaltet, erinnert das Spiel einen immer dann, wenn zum Beispiel eine neue Truhe geöffnet werden kann, sodass die Bindung an Clash Royale verstärkt wird. Um die 13 Arenen durchspielen oder sogar noch weiter aufsteigen, braucht es einen langen Atem und viel Spielzeit oder viel Geld.

Fussnoten

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Matthias Engel ist Berufsschullehrer für DaZ, Deutsch und Sozialkunde in Neuwied. Er hat Medien- und Politikwissenschaft studiert, war von 2019 bis 2021 Volontär im Arbeitsbereich Games & Medienpädagogik bei der bpb, danach Dozent für Bundesfreiwillige beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben und anschließend Referent der Bundeszentrale für politische Bildung.