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Kosten(fallen)

Arne Goldmann

/ 4 Minuten zu lesen

Digitale Spiele werden nicht mehr nur auf physischen Datenträgern vertrieben, sondern können ebenso in digitaler Form heruntergeladen oder gestreamt werden. Welche Kostenmodelle und Fallstricke es gibt, erfahren Sie hier.

(© Annabell Koenen-Rindfrey für bpb.de)

Vollpreisspiele

Viele Spiele werden für einen festen Preis als Vollversionen veröffentlicht. Das heißt, das komplette Spiel wird erstanden und es fallen keine zusätzlichen verpflichtenden Kosten an, um es zu spielen. Die Preisspanne digitaler Spiele reicht von wenigen Euro bis hin zu mehreren hundert Euro für exklusive Sammeleditionen. Diese Spiele können sowohl in Läden als auch über verschiedene Internetanbieter, wie Steam oder die Onlineshops der Konsolenhersteller, heruntergeladen werden. Während Onlineshops regelmäßige Rabattaktionen anbieten, sind die Preise für Spiele auf physischen Datenträgern meistens recht konstant.

Gaming-Abonnements

In den letzten Jahren hat sich mit Gaming Abonnements wie dem “Xbox Game Pass” eine weitere Form etabliert, digitale Spiele spielen zu können. Für eine feste monatliche Summe steht den Spielenden eine Vielzahl an unterschiedlichen Spielen zur Verfügung. Die Spieleauswahl variiert je nach Anbieter und Plattform. Gerade, wenn man dazu tendiert, Spiele nur kurz zu spielen und häufig etwas Neues auszuprobieren, sind diese Angebote eine interessante Alternative zum klassischen Spielekauf.

Häufig werden unterschiedliche Abomodelle (zum Beispiel ein Monat, drei Monate oder ganzjährig) angeboten. Achten Sie beim Abschluss eines solchen Abonnements darauf, ob es sich automatisch verlängert und schließen Sie möglichst nicht mehr als eins gleichzeitig ab.

Nicht wirklich “Free2Play”

Mittlerweile erscheinen viele Titel kostenlos, sie sind “Free2Play”. Insbesondere bei Spielen für das Smartphone dominiert diese Vertriebsart. Viele dieser Titel vermitteln den Spielenden gerade zu Beginn einen schnellen Fortschritt und Erfolgserlebnisse. Nach dieser Phase wird das Spiel oft unverhältnismäßig schwierig oder zwingt die Spielenden zu warten, während gleichzeitig eingeblendet wird, dass für eine geringe Summe ein Vorteil erworben oder die Wartezeit verkürzt werden kann. Die Summen sind zunächst so niedrig, dass der Reiz besteht, sie zu zahlen, um weiterspielen zu können, wobei sich das Schema nach kurzer Zeit wiederholt. So werden hintereinander viele kleine Transaktionen ausgeführt, die sich schnell zu hohen Beträgen summieren können.

Haben Sie also immer im Auge, ob ein Spiel wirklich kostenfrei ist, beziehungsweise welche versteckten Kosten es beinhaltet. Im Internet finden sie Spieleseiten speziell für Kinder, die ohne solche Kostenfallen auskommen.

Kostenpflichtige Zusatzinhalte

Zwar sind Vollversionen ohne Einschränkungen spielbar, oft können allerdings kostenpflichtige Zusatzinhalte erworben werden. Für viele Spiele erscheinen einige Zeit nach der Veröffentlichung größere Erweiterungen. Dieser “Downloadable Content” (DLC) erweitert den Umfang des Basisspiels um weitere Funktionen, Storyabschnitte, Spielmodi usw. und hat meistens einen geringeren Preis als das Basisspiel.

Manche Spiele enthalten sogenannte "Ingame-Käufe", durch die sich zusätzliche Inhalte freischalten lassen. Bei den Inhalten handelt es sich zum Beispiel um rein kosmetische Erweiterungen (ein Kostüm für die Spielfigur oder eine spezielle Animation), neue Spielcharaktere oder besondere Spielgegenstände. Bieten die so erworbenen Spielinhalte Vorteile im Spiel oder gegenüber anderen Spielenden, etwa dadurch, dass eine Waffe außerordentlich stark ist, spricht man von "Pay2Win". Diese Art der Monetarisierung steht besonders in der Kritik, da nicht alleine die Fähigkeiten im Spiel über Sieg oder Niederlage entscheiden, sondern auch der Geldbeutel.

Die Preise einzelner Inhalte sind dabei meist relativ niedrig, so dass den Spielenden suggeriert wird, für einen lediglich geringen Preis einen großen Vorteil im Spiel zu erwerben. Allerdings erscheinen häufig neue, vermeintlich bessere Inhalte, sodass Spielende regelmäßig zahlen müssen, um keinen Nachteil gegenüber anderen zu bekommen.

Oft kann ein sogenannter “Season Pass” (Saisonpass) gekauft werden. Mit ihm erhalten die Spielenden in der Regel alle Erweiterungen, die in einem gewissen Zeitraum erscheinen.

Lootboxen

Eine besondere Form von Ingame-Käufen sind “Lootboxen”. Hierbei handelt es sich im Prinzip um Wundertüten, die für einen bestimmten Betrag erworben werden können. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Box öffnen, wissen die Käuferinnen und Käufer nicht, was ihr Inhalt ist.

Beispielsweise verfügt die Fußballsimulation “FIFA” über den Modus “FIFA Ultimate Team”. Spielende können hier virtuelle verschlossene Kartenpacks freispielen oder direkt erwerben. Auf diesen Karten befinden sich Fußballstars, mit denen die Spielenden ihr eigenes Team bestücken können. Besonders gute Karten sind seltener als durchschnittliche. Um das eigene Team möglichst zu optimieren, müssen Spielende also sehr viel spielen oder viel Geld bezahlen. Da im jährlichen Rhythmus ein neues Spiel der Reihe erscheint, verfallen die gesammelten Karten bzw. sind nicht mehr im neuesten Spiel nutzbar, sondern müssen erneut erworben werden.

Das Öffnen solcher Lootboxen wird auf Streamingplattformen und in sozialen Medien – teilweise durch bezahlte Influencer und Influencerinnen – derart zelebriert, dass für Kinder und Jugendliche ein regelrechter Kult um manche Inhalte entsteht.

Diese und andere Glücksspiel-Elemente werden mittlerweile Interner Link: auf den Labeln der USK ausgewiesen.

Allgemeine Handlungshinweise

Geben Sie Ihrem Kind nie Ihre Kreditkarten- oder Bankinformationen, sondern lassen Sie es die Spiele gegen Bargeld in Läden erwerben. Um Spiele und Spielinhalte in Onlineshops zu kaufen, bieten sich Guthabenkarten an, die für die bekanntesten Shops verfügbar sind. Diese können an Supermarktkassen und vielen Tankstellen erworben werden. Achten Sie auf versteckte oder fortlaufende Kosten und schließen Sie keine Abonnements ab. Vermeiden Sie digitale Spiele mit Glücksspiel-Elementen. Die Kennzeichen der USK können Sie hierbei unterstützen.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Arne Goldmann studierte Sonderpädagogik und Arbeitslehre auf Lehramt und war daraufhin mehrere Jahre als Lehrkraft an Berliner Schulen tätig. Während dieser Tätigkeit fanden regelmäßig Videospiele als Lernmedium den Weg in seinen Unterricht. Mittlerweile erstellt er Bildungsmedien bei einem Schulbuchverlag und leitet nebenbei Workshops mit dem Fokus Games.