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Fluchtbewegung

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Nach Reformen in der Sowjetunion und anderen Staaten des Ostblocks wurde auch in der DDR-Bevölkerung die Forderung nach einem politischen Wandel lauter. Frustriert vom Kurs der SED, der Isolation der DDR und der katastrophalen wirtschaftlichen Versorgungslage hatten Ende 1988 rund 110.000 Ostdeutsche einen Ausreiseantrag gestellt.

Nur Wenigen gelang es zunächst, die DDR – legal oder illegal – zu verlassen. Die Grenzanlagen waren perfektioniert, über die innerdeutsche Grenze zu fliehen, erwies sich auch Anfang 1989 noch als lebensgefährlich. Bei einem Fluchtversuch am 6. Februar 1989 wurde in Ost-Berlin der zwanzigjährige Chris Gueffroy von Grenzsoldaten erschossen.

Ab Mitte 1989 eröffneten sich neue Fluchtwege: Nachdem Ungarn im Mai begonnen hatte, seine Grenzanlagen zu Österreich abzubauen, reisten viele Ostdeutsche als Touristen ins Nachbarland ein, um von dort den Externer Link: „Eisernen Vorhang“ zu überwinden. Obwohl die Grenze weiter bewacht wurde, gelang Hunderten die Flucht. Am 11. September 1989 öffnete Ungarn seine Grenze vollends und ließ alle Flüchtlinge in den Westen reisen – ohne Absprache mit dem DDR-Regime. Innerhalb von nur drei Tagen flohen 15.000 vor allem junge Ostdeutsche über Ungarn nach Österreich und von dort in die Bundesrepublik.

Ostdeutsche besetzten außerdem die bundesdeutschen Botschaften in Warschau, Prag und Budapest sowie die Ständige Vertretung der BRD in Ost-Berlin. In Prag und Budapest erzwangen sie im August und September 1989 so ihre Ausreise. Mit Sonderzügen der Deutschen Reichsbahn wurden sie durch die DDR in die Bundesrepublik gebracht.

Die Ausreisewelle erhöhte den Druck auf die SED-Führung und führte ebenso wie die Proteste der DDR-Opposition letztlich dazu, dass sich die Friedliche Revolution nicht mehr aufhalten ließ.

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