Einleitung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich Europa im machtpolitischen Koordinatensystem des Kalten Krieges unter historisch singulären Bedingungen entwickelt.
Zur Auflösung der Fußnote[1] Bei dem Versuch, diese Dynamik einzufangen, scheut die historische Forschung mit guten Gründen davor zurück, nachträgliche Teleologien zu erfinden. Stattdessen will sie Perspektiven auf die europäische Geschichte seit 1945 eröffnen, die Ähnlichkeiten zwischen den europäischen Gesellschaften hervorhebt, ohne heterogene Entwicklungsverläufe zu verwischen.
Zur Auflösung der Fußnote[2] Das historiografische Konzept der Amerikanisierung erscheint vor diesem Hintergrund als eine noch nicht systematisch ausgeschöpfte Möglichkeit, zumindest die westeuropäische Nachkriegsentwicklung perspektivisch zu bündeln und vergleichend zu erörtern.
Zur Auflösung der Fußnote[3]
Zu einer solchen europäisch vergleichenden Geschichte der Amerikanisierung sollen die folgenden Überlegungen beitragen. Dazu werden thesenartig Einzelaspekte der kulturellen Amerikanisierung als das wohl symptomatischste Feld der USA-Kontakte mit der Bundesrepublik, Frankreich und Großbritannien besonders in den 1950er Jahren herausgegriffen. Exemplarisch soll gezeigt werden, dass sich die westeuropäischen Nachkriegsgesellschaften aktiv mit strategischen Eigeninteressen und geschickten Aneignungsstrategien an der Amerikanisierung beteiligt haben. Die transatlantischen Kontakte und Transfers auf den benachbarten Feldern von Politik und Wirtschaft, die eigentlich zum Panorama einer europäischen Amerikanisierungsgeschichte gehören, müssen hier ganz ausgeblendet bleiben.
Die rigorose Verpflanzung amerikanischer Wertmaßstäbe und Lebensformen nach Europa ist gemeint, wenn mit "Amerikanisierung" als polemischem Schlagwort hantiert wird. Zur Auflösung der Fußnote[4] Demgegenüber ist für eine historische Betrachtung erst ein von (un)freiwilligen Untertönen bereinigter, analytisch offener "Amerikanisierungs"-Begriff zu verwenden: Zur Auflösung der Fußnote[5] Er beschreibt erstens einen historischen Ordnungszusammenhang mit einem einschlägigen Machtübergewicht zugunsten der USA und benennt die manipulative Absicht der Amerikanisierer als eine der zentralen Antriebskräfte für diese Entwicklung. Vor allem aber gibt der Begriff zweitens einer weiterführenden Untersuchungsagenda den Titel: "Amerikanisierung" thematisiert eine Vielzahl politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller (Rück-)Transfers von Ideen, Gütern, Strukturen und Personen, die bislang kaum europäisch vergleichend betrachtet worden sind.
Zur "Amerikanisierungs"-Perspektive gehört im Grunde auch der parallele Austausch zwischen Westdeutschland, Frankreich und Großbritannien. Aus deutscher Sicht lag dabei der besondere Fall einer Verwestlichung vor, in deren Zuge sich große Teile der westdeutschen Eliten auf das Ideologieangebot nicht nur aus den USA, sondern aus ganz Westeuropa mit Verve einließen, um so den demokratischen Neubeginn mit der programmatischen Abkehr vom totalitären Terror zu legitimieren. Zur Auflösung der Fußnote[6] Verwestlichung bzw. "Westernization" ("Westernisierung") oder "Europäisierung" bleiben daher - abhängig vom gewählten Untersuchungs(zeit)raum - wichtige Parallelbegriffe zum Konzept der "Amerikanisierung". Zur Auflösung der Fußnote[7] Diese binneneuropäischen Austauschbewegungen müssen aber aus den folgenden Überlegungen ausgeklammert bleiben.
Aspekte kultureller Amerikanisierung in Westeuropa
Die amerikanische Massenkultur blieb nach 1945 - nicht anders als zuvor - ein überaus umstrittener Gegenstand öffentlicher Diskussion. Spätestens seit den 1950er Jahren wirkte sie aber zugleich prägend auf europäische Lebensstile. Was exakt den amerikanischen Konsumgütern über Alters-, Berufs- und soziale Unterschiede hinweg eine letztlich unentrinnbare Popularität eintrug, ist aber durchaus schwer zu bestimmen. Sicher begünstigten die steigende Konsumkraft in den regenerierten europäischen Volkswirtschaften und die professionellen amerikanischen Vermarktungsstrategien diesen Prozess. Zur Auflösung der Fußnote[8] In welchem Maße die neuen Konsumoptionen die europäischen Gesellschaften aber tatsächlich ideell amerikanisierten, ist ebenfalls kaum geklärt. Ein assoziativer Kurzschluss vom Colatrinker und Jeansträger auf seine politischen und ideologischen Werthaltungen jedenfalls wäre nicht empirisch verlässlich. Ohnedies konnten auch Haushaltsgeräte, Kleidermoden und Musikstile nicht darüber hinwegtäuschen, dass der nach neuen Stilregeln jenseits traditional-bürgerlicher "Hochkultur"-Maßstäbe agierende "consumer citizen" langfristig beiderseits des Atlantik eine massenwirksame Utopie blieb.
Bundesrepublik Deutschland
Anders als im französischen und britischen Fall ging der Verbreitung der amerikanisch inspirierten Komsumkultur in der semisouveränen Bundesrepublik seit Mitte der 1950er Jahre zunächst eine gezielte Infiltrationsoffensive der USA voraus, die auf die Eliten und Meinungsbildner als erhoffte Multiplikatoren demokratischer Denkart zielte. Allzu eindeutige Fälle hegemonialer Amerikanisierung lagen aber selbst hier kaum vor. Zum einen stieß die verordnete re-education in Deutschland auf erhebliche Beharrungskräfte. Zum anderen verlagerten sich die amerikanischen Interessen bald ganz auf die Priorität, "den Kommunismus" zu bekämpfen, und lenkten folglich den amerikanischen Steuerungswillen in Bildung und Presseöffentlichkeit zügig weg vom Vorhaben der "Entnazifizierung".
Zur Auflösung der Fußnote[9] Mit den "Amerikahäusern" wollten die USA nicht zuletzt demonstrativ amerikanische "high culture" nachweisen, erzielten bis Mitte der 1950er Jahre aber lediglich in den bildungsnahen Schichten Rezeptionserfolge.
Zur Auflösung der Fußnote[10] Dass ihr Kulturdruck machtpolitisch unterfüttert war, sicherte den USA insofern letztlich keine absolute Transferhoheit. Dies gilt wohl auch für den Bereich von Presse, Rundfunk und Fernsehen, die bei aller anfänglichen informationspolitischen Kontrolle keine dauerhafte Totalamerikanisierung leisteten.
Zur Auflösung der Fußnote[11]
Wichtige Voraussetzungen für eine breitere kulturelle Amerikanisierung entstanden zunächst punktuell dort, wo die westdeutsche Bevölkerung u.a. im Rahmen von humanitären Versorgungsleistungen mit der amerikanischen Besatzungsmacht vor Ort in Berührung kam.
Zur Auflösung der Fußnote[12] Von hier ergaben sich fließende Übergänge zur Adaption jener Massenkultur, die ab Mitte der 1950er Jahre für weite Teile der konsolidierten "Wirtschaftswundergesellschaft" zugänglich wurde.
An der amerikanischen Massenkultur reizte aber mehr als nur ihre leichte Zugänglichkeit: "Halbstarke" Jugendliche, die Ende der 1950er Jahre in Jeans und mit Elvistolle zu Rock 'n' Roll tanzten, absorbierten nicht einfach Amerikanismen, sondern setzten sich zuallererst in Kleidung, Musik- und Verhaltenskonventionen vom Stilkodex der Elterngeneration ab. Zur Auflösung der Fußnote[13] Die dort übliche Trennung zwischen Hoch- und Populärkultur sollte unterlaufen und das Recht zur Selbstbestimmung erstrebenswerter Verhaltensformen beansprucht werden. Ähnlich missachteten sprachliche Amerikanismen absichtsvoll traditional bürgerliche Kommunikationsregeln und enthierarchisierten bislang geltende Normen des Ausdrucks. Zur Auflösung der Fußnote[14] An der kulturellen Amerikanisierung in der Bundesrepublik waren daher neben den US-amerikanischen Akteuren immer auch die "Selbstamerikanisierer" mit ihrem eigenen Interesse an einer "Amerikanisierung von unten" beteiligt. Die von der neuen "Subkultur" provozierten westdeutschen Eliten reagierten in den 1950er Jahren besonnen, um die freiheitlichen Vorzüge der neuen Grundordnung als Gegenmodell zum Sozialismus in Ostdeutschland zu demonstrieren. Zur Auflösung der Fußnote[15]
Frankreich
Anders als in den westdeutschen Besatzungszonen blieb das amerikanische Militär nach 1945 in Frankreich besonders von der ländlichen Zivilgesellschaft weiter entfernt; in weiten Teilen Süd- und Westfrankreichs ergaben sich fernab amerikanischer Truppenpräsenz ohnedies keine Berührungspunkte. Zur Auflösung der Fußnote[16] Ähnlich wie im deutschen Falle wirkte aber in den frühen 1950er Jahren ein geballtes amerikanisches Transferangebot in Gestalt gezielter kultur- und medienpolitischer Maßnahmen auf die französische Nachkriegsgesellschaft. Wo amerikanische Verantwortliche sich als Propagandisten in eigener Sache betätigten, verfehlten sie in Frankreich allerdings häufiger als in der Bundesrepublik ihr Ziel. So verfingen etwa die amerikanischen Werbefeldzüge für den Marshallplan hier kaum. Zur Auflösung der Fußnote[17] In den Bereich der Elitenkultur drangen deutlich weniger als in der Bundesrepublik amerikanische Güter vor, da zahlreiche französische Linksintellektuelle, die sich in den "années Sartre" bis Mitte der 1950er Jahre dem Kommunismus öffneten, der amerikanischen Massenkultur aus dezidiert ideologischen Gründen misstrauten. Im Gegensatz dazu gewannen umtriebige Akteure im intellektuellen Austausch mit den USA und erklärte "Atlantistes" wie Raymond Aron erst allmählich an Bedeutung. Zur Auflösung der Fußnote[18]
Auch jenseits der Elitenkontakte öffnete sich die französische Nachkriegsgesellschaft dem amerikanischen Konsumstil eher zögerlich. Dies erschwerte es selbst der amerikanischen Produktikone Coca-Cola, sich auf dem französischen Markt zu behaupten. Insofern erschienen hier stärker als in der Bundesrepublik Konsumgewohnheiten ideologisiert und der Bedarf nach energischer Abgrenzung von US-amerikanischer Massenkultur ungleich höher als in der Bundesrepublik. Zur Auflösung der Fußnote[19]
Als Inbegriff dafür, dass eine breitere französische Öffentlichkeit in den fortschreitenden 1950er Jahren sich dann aber doch amerikanischer Massenkultur zu öffnen begann, galt der Jazz. Dass die Amerikanisierungsbereitschaft sich auch hier nicht als reine Stilverpflanzung auswirkte, sondern französische Musikliebhaber mit einer eigenen Agenda auf den Plan rief, wurde ebenso deutlich: So verdankte sich die Popularität des Jazz gerade nicht dem Ehrgeiz, den US-amerikanischen Kulturstil zu imitieren, sondern einer erfolgreichen Aneignungsstrategie durch die französischen Selbstamerikanisierer: Sie fassten den Jazz als multiethnische Musiktradition auf und stellten Anschlüsse an die französische Musikkultur so her, dass der französische Kult des Jazz sogar Raum zur Distanzierung oder Amerikakritik bot. Zur Auflösung der Fußnote[20]
Unterdessen blieb z.B. die französische Film- und Kinobranche vom amerikanischen Transferangebot zunächst ganz unbeeindruckt. Auf dem Musiksektor trat man amerikanischen Labels mit Quotierungen entgegen und schirmte damit den heimischen Markt trotz bald erzwungener Lockerungen protektionistisch ab. Umgekehrt gelang es der französischen - anders als der deutschen - Filmindustrie spätestens ab den 1960er Jahren, an Erfolg und Renommee französischer Filme aus der Vorkriegsepoche anzuknüpfen und damit neben Italien zu einem wichtigen Repräsentanten europäischer Filmkunst auch in den Staaten zu avancieren. Mithin ließ sich selbst die Resistenz am Ende in den USA erfolgreich vermarkten. Zudem entstanden kreative Varianten im Umgang mit amerikanischen Gütern und Konsumformen. Anders als auf Coca-Cola reagierte die französische Branche eine Dekade später deutlich flexibler auf den amerikanischen Exportschlager McDonald's, indem sie nun mit konkurrierenden "restauration rapide"-Konzepten aufwartete und offensiv um eigene Marktanteile konkurrierte. Zur Auflösung der Fußnote[21]
Großbritannien
Aus Großbritannien zogen sich die USA nach der extrem engen Kooperation während der Kriegsjahre zwar militärisch zunächst zurück. Zur Auflösung der Fußnote[22] Dennoch wurden die USA frühzeitig kulturdiplomatisch tätig, indem sie bereits 1946 Austauschprogramme lancierten, die zunächst auf den akademischen Sektor zielten (Fulbright), zügig aber auch andere Berufsmärkte erfassten (Smith-Mundt Act 1948). Zur Auflösung der Fußnote[23] Mitunter blieben britische Intellektuelle aber ähnlich wie jene auf dem europäischen Kontinent gegenüber amerikanischen Hochkulturerzeugnissen aus Sorge vor einer drohenden "Kolonisierung" reserviert. Zur Auflösung der Fußnote[24] Auch deshalb warben die USA seit den frühen 1950er Jahren im Einzugsbereich britischer Linksintellektueller und der Labour Partei um transatlantischen Konsens. Zur Auflösung der Fußnote[25] Tatsächlich schienen früher als im französischen Fall Vorbehalte in den Reihen der britischen Eliten abgebaut werden zu können. So avancierten z.B. amerikanische Autoren zu Vertretern einer gemeinsamen literarischen "Moderne" und thematisierten Londoner Kunstausstellungen die ästhetische Nähe zu US-amerikanischer "Modern Art." Zur Auflösung der Fußnote[26] Dabei spielten allerdings immer auch strategische Eigeninteressen britischer Künstler eine Rolle, die den Kunstbetrieb transatlantisch öffnen wollten, um die Dominanz britischer lokaler Oberschichten zu unterlaufen.
Ob allerdings jenseits solcher Elitenkontakte amerikanische Güter und Lebensstile von der Masse der britischen Gesellschaft besonders bereitwillig oder voraussetzungsloser als in Deutschland oder Frankreich absorbiert wurden, ist noch nicht ausgemacht. Immerhin versuchte ähnlich wie in Frankreich die Attlee-Regierung (allerdings langfristig vergeblich) das heimische Kino durch Quotierungen vor einer Überschwemmung des Marktes mit Hollywoodproduktionen zu schützen. Zur Auflösung der Fußnote[27] Bei erfolgreichen Transfers, wie z.B. der von amerikanischen Geschäftsleuten angeregten Verbreitung von Supermarktketten seit den 1950er Jahren, spielte für deren Akzeptanz und Erfolg eine erhebliche Rolle, dass an ähnliche Distributionsmechanismen angeknüpft werden konnte und keine komplett neue Konsumhaltung aus den USA kopiert werden musste. Zur Auflösung der Fußnote[28]
Die zügige Popularisierung amerikanischer Lebensstile im Bereich der britischen Jugendkultur wies ihrerseits Züge einer produktiven Anverwandlungsstrategie auf: Die Teenage-Kultur entstand als eine Art transatlantisches Stilkonglomerat, indem neben die auffälligen Anleihen bei der amerikanischen Populärmusik zugleich Reminiszenzen an die Distinktionskleidung der traditionalen britischen upper class traten, die sich nun die working-class-Jugend zum Zeichen stilistischer Demokratisierung aneignete. Zur Auflösung der Fußnote[29] Kaum anders als besonders für die Bundesrepublik nachgewiesen, erfand sich auch hier eine jugendliche Subkultur, deren Anhänger aus dem US-amerikanischen Lifestyle-Modell auswählen wollten, was im britischen Kontext provokant genug wirkte, um traditionale Erziehungsspielregeln sichtbar aufzukündigen.
Im Vergleich zur deutschen und französischen Entwicklung hatte wohl am ehesten die britische Populärkultur Chancen zum Rücktransfer einzelner Elemente in die USA. So lässt sich z.B. der Erfolg der "Beatles" in Bezug auf Musikstil und Habitus auch darauf zurückführen, dass hier britische Skiffle- und Music-Hall- mit amerikanischen Rock-Stilelementen effektvoll neukombiniert und dann, gleichsam um britische Stilelemente angereichert, in die USA und die Welt exportiert werden konnten. Zur Auflösung der Fußnote[30]
Kulturelle Amerikanisierung im europäischen Vergleich
Eine europäisch vergleichende Geschichte der Amerikanisierung scheint besonders lohnend, wenn sie, wie hier angedeutet, den Blick auf europäische Kreativstrategien im Umgang mit der amerikanischen Massenkultur richtet. Für den beträchtlichen Verbreitungseffekt der amerikanischen Populärkultur gibt es dabei eine starke Hypothese, die auf deren singuläre Beschaffenheit zielt: Als Amalgam aus europäischen und außereuropäischen Elementen entstanden, barg sie das Potential, an die lebensweltliche Bedarfslage und den Massengeschmack von Konsumenten auch in Europa effektvoll anzuschließen. Zum Teil transferierten die Amerikanisierer aus den USA in einer Art Schleife an die Europäer zurück, was im Zuge eines jahrhundertealten Prozesses ehedem aus Europa in den Kulturhaushalt der USA eingespeist und zwischenzeitlich weiterentwickelt worden war. Zur Auflösung der Fußnote[31] Für die Amerikanisierungsforschung geht es folglich darum, die hybriden Kulturmischungsverhältnisse beiderseits des Atlantik zu inspizieren und weder das Maß amerikanischen Transferdrucks noch die Möglichkeiten der Europäer zu überschätzen, Amerikanisierungsgrade eigenmächtig auszuhandeln. Mit einzubeziehen ist in jedem Fall der zentrale strategische Diskurswert, den das Beharren auf vermeintliche eigenen Kulturstandards oder umgekehrt die demonstrative Aneignung in den innergesellschaftlichen Zusammenhängen vor allem im jungen Nachkriegseuropa haben konnte.
Während der ersten Nachkriegsdekade war die westeuropäische Bedarfslage keineswegs ausschließlich, aber insofern doch ähnlich davon geprägt, dass jüngere Generationen gegen jene Dichotomisierung von Hoch- und Massenkultur Sturm liefen, die sie als Inbegriff eines nicht mehr glaubwürdigen Deutungsmonopols alter Eliten über Verhaltensnormen und Leitwerte erachteten. Dass zum gleichen Zeitpunkt die Elitenkultur in den USA kaum entkanonisiert und die Massenkultur nicht derart entgrenzt erschien, wie in Europa zum Teil behauptet, Zur Auflösung der Fußnote[32] belegt weniger europäische Rezeptionsfehler als den symptomatischen Umstand, dass "Amerika" vor allem als Chiffre in einem deutschen, französischen oder britischen Diskurszusammenhang diente.
Den westdeutschen Fall unterschied von Frankreich und Großbritannien womöglich weniger der Umstand, dass die Amerikanisierung hier nachweislich rigoroser erfolgt wäre, sondern dass sie eng mit einernachholenden "Fundamentalliberalisierung" Zur Auflösung der Fußnote[33] der westdeutschen Gesellschaft in den 1960er Jahren verwoben war, in deren Zuge man sich demonstrativer als in Frankreich oder Großbritannien, aber - wie dort - entlang eigener Präferenzen an den USA oder dem "Westen" orientierte.