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Rückblick: Jubiläumskonferenz "Was kommt, was bleibt?" zu zehn Jahren werkstatt.bpb.de

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Im Herbst 2021 und in den darauffolgenden Monaten feierte die Werkstatt ihr zehnjähriges Bestehen: Die abschließende Mikrokonferenz im Mai 2022 bot inspirierende Impulse und Gespräche. Ein Rückblick.

Jan Vedder hält auf der Bühne seinen Keynote-Vortrag. Im Vordergrund sieht man die Sitzplätze der Teilnehmenden.
Jan Vedder sprach in seiner Keynote unter anderem über die Lehren der Corona-Pandemie für die Bildung. (Violeta Martinez) Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de

Besonders Corona war prägend für die Entwicklung des digitalen Unterrichts, des digitalen Lernens und der Bildungslandschaft in den vergangenen Jahren. Keynote-Speaker und Lehrer Jan Vedder beobachtete, dass uns die letzten zwei Jahre gelehrt hätten, analoge Medien nicht einfach 1:1 ins Digitale zu übersetzen. Digitale Bildung, das sei eben nicht, Bücher auf einem Tablet zu lesen. Eine Schule im Wandel müsse zuallererst eine Haltung entwickeln. Vedder formulierte dafür drei Gelingensbedingungen: Freiräume, Fehlerkultur und Leidenschaft. Erst dann könne digitale Bildung zu einer Kultur der Digitalität weitergedacht, eine neue Lern- statt Lehrkultur etabliert und den Trends der Zukunft mutig gefolgt werden.

Bildung müsse immer wieder adaptiert und verändert werden, bestätigte auch Keynote-Speakerin Katrin Hünemörder von mediale pfade. "Gegen Wände laufen, umdrehen und Schleifen drehen", das gehöre zu diesem Prozess dazu. Diskurse müssten immer wieder hinterfragt werden, um gegebenenfalls bestimmte Entwicklungen umzusteuern. "Wir müssen uns das erlauben und vor allem auch darüber sprechen, nicht hinter vorgehaltener Hand", erläuterte Hünemörder. Als Beispiel für erfolgreiches Protoyping – auch mit geringen Ressourcen – führte sie insbesondere gamebasierte Vermittlungsansätze an. Daneben warb Katrin Hünemörder dafür, während der Pandemie erprobte Formate fortzuführen:

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Die Zukunft ist hybrid

Die Potenziale aller Räume sollten ausgeschöpft, Teilhabe mitgedacht, verschiedene Settings des synchronen und asynchronen Lernens ausprobiert und Partizipation bei der Gestaltung der Räume gefördert werden.

Eine Werkstatt im Wandel der Bildung

Wie die Werkstatt der bpb die Dynamik aufgreifen und in sie eingreifen will, unterstrich die Gesprächsrunde zwischen Tim Schmalfeldt von der bpb sowie Nina Heinrich und Oliver Baumann-Gibbon von der Kooperative Berlin, welche die Werkstatt redaktionell betreut: Der Name "Werkstatt" stehe symbolisch für das Ausprobieren, das Neuerfinden, für einen offenen Prozess. Dabei solle werkstatt.bpb.de immer ein Kanal bleiben, der nicht einseitig funktioniert. Das heißt, die Werkstatt möchte einerseits Impulse bieten, aber auch Zuhören und in den Dialog gehen, wie Oliver Baumann-Gibbon es beschrieb. Schon zu Beginn sei Grundidee gewesen, offen für Methoden, Feedback und neue Ideen zu sein und in den Austausch zu gehen. Gleichzeitig hätten große Transformationen die Themen der Werkstatt in den letzten zehn Jahren enorm geprägt: Von der Kultur des Teilens, Flucht und Migration, den Zuwachs von freien Informationen wie auch Desinformation bis hin zu den globalen Umbrüchen der Corona-Pandemie, erläuterte Tim Schmalfeldt. Auch technisch habe sich viel getan, so etwa der Bedeutungszuwachs von Videos, das Wachstum der sozialen Netzwerke oder Möglichkeiten kollaborativen Arbeitens.

Eine Werkstatt für die Community

Bei der Begleitung dieser Entwicklungen spiegeln Austauschformate den Kern der Werkstatt wider: "Für uns steht die Zusammenarbeit mit der Community ganz stark im Mittelpunkt", erläutert Redaktionsleiterin Nina Heinrich die Vorgehensweise. Als Beispiele aus dem redaktionellen Angebot nannte sie die Einbindung von Gastbeiträgen und Interviews, die Interner Link: Bildungssalons

, die Webvideoreihe Interner Link: "Bildungshacks" zu Methodentipps oder die wiederaufgelegte Interner Link: Ausprobiert-Aktion zum Test von Bildungsmaterialien. "Es spielt eine große Rolle, dass wir diese Impulse erhalten und diese möchten wir auch zurückgeben", stellte Heinrich heraus. Aktuell fokussiert sich die Werkstatt auf die Themenbereiche Interner Link: Künstliche Intelligenz und Friedenspädagogik.

Einblicke in die Veranstaltung

Weniger Digital vs. Analog

Die Themeninseln bildeten den dritten Block der Mikrokonferenz und unterstrichen nicht nur den Community-Charakter, sondern förderten auch viele neue Fragen zutage, die für die Zukunft der Bildung im digitalen Wandel und die Gestaltung der Arbeit bei werkstatt.bpb.de bedeutsam sein werden. Die Inseln gaben neben den eingeladenen Experten und Expertinnen besonders auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, das Gespräch zu suchen.

So wurde viel darüber diskutiert, welche Schlüsse aus der Pandemie gezogen werden können und wie an den Schulen aus einem auf Notwendigkeiten basierenden Handeln nun produktive Prozesse entstehen können. Jacob Chammon vom Forum Bildung Digitalisierung und selbst ehemaliger Schulleiter sagte:

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Es geht in der Schule um Begegnungen und Beziehungen, und die können überall passieren, im Analogen wie im Digitalen.

Die Beziehungsebene gelte es zu stärken, unabhängig vom Ort oder Medium. Die Tincon-Projektleiterin Sheherazade Becker betonte mit Blick auf Medienkompetenz ebenfalls das Gemeinsame: "In Schulen wird Medienkompetenz oft als getrennter Bereich gesehen, der sporadisch behandelt wird. Aber eigentlich geht es ja darum: Wie komme ich mit Medien zu Information zu verschiedenen Themen? Medienkompetenz ist fächerübergreifend." Auch für Medienpädagogin Amanda Brennan, Redaktionsleiterin der Medieninitiative MESH Collective, war klar: "Das Digitale und das Analoge können super zusammenkommen. Der Pool an Videos, der in sozialen Medien existiert, ist ideal, um im Unterricht erste Berührungspunkte zu schaffen." Und eine Teilnehmerin führte den Punkt weiter aus, indem sie feststellte:

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Das sind keine Parallelwelten. Was in den sozialen Netzwerken passiert, hat Auswirkungen auf das Klassenzimmer und andersherum.

Was kommt, was bleibt?

Für die Werkstatt werden zukünftig gesellschaftliche Fragen, etwa zum gemeinsamen Gestalten zeitgemäßer Bildungsangebote, aber auch die Rückbesinnung auf ganz praktische, bastlerische Ansätze wieder stärker im Fokus stehen. Manchmal fühlten sich Lehrende von technologischen Entwicklungen erschlagen, so Tim Schmalfeldt. Da sei eine Rückbesinnung auf Gedanken von Aufbruch, Emanzipation und Empowerment förderlich, um auch zeitgemäße politische Bildung im digitalen Wandel nicht getrieben, sondern proaktiv mitzugestalten.

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