Hinweis: Der Beitrag bezieht sich auf die Fachtagung "Digitale Welt als Thema in Schule und Unterricht" der Bundeszentrale für politische Bildung und der Kultusministerkonferenz, die am 15 November 2017 in Berlin stattfand.
Spätestens die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November 2016 hat der Diskussion um die mögliche Algorithmen gesteuerte Beeinflussung unseres politischen Verhaltens neue Brisanz verliehen. Die Meinungen über den Stellenwert der digitalen Daten gehen zwar auseinander, aber klar ist: Unser digitales Verhalten ist politisch und möglicherweise auch beeinflussbar, das muss man als mündige Bürgerin beziehungsweise Bürger wissen.
Auf der interdisziplinären Fachtagung "Digitale Welt als Thema in Schule und Unterricht", ausgerichtet von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Kultusministerkonferenz (KMK) standen digitale Medien als digitale Akteure im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Jahr nach dem KMK-Strategiepapier Bildung in der digitalen Welt werden die Stimmen lauter, die als Aufgabe für den Bildungsbereich nicht mehr nur die Toolkompetenz sehen – also das technische Verständnis für die Bedienung von Geräten und Online-Plattformen wie Facebook oder YouTube –, sondern vor allem die medienkritische Sensibilisierung von Lernenden.
Input: Wie wollen wir leben?
Drei Vortrage lieferten in diesem Zusammenhang thematischen Input und – bisweilen kontroverse – Diskussionsgrundlage.
Dr. Harald Gapski: Big Data als Zeitenwende in Gesellschaft, Wissenschaft und Politik und als Herausforderung für die Pädagogik
Dr. Harald Gapski vom Grimme Institut gab einen Überblick über die Entstehung und den Einfluss von Big Data auf Gesellschaft, Wissenschaft und Politik durch Vernetzung, Sensorisierung (bspw. Internet der Dinge) und Algorithmisierung (bspw. in Sozialen Netzwerken). Als metaphorische Leitthese legte er den Übergang "vom bloßen Surfen im Netz hin zum Steuermannverhalten im Internet" zugrunde – und beschrieb die Gestaltung dieses Übergangs als zentrale Herausforderung für die Pädagogik. Konkret benannte er dabei die Bereiche kritisches Denken, politische und kulturell-ethische Bildung.
Prof. Dr. Katharina Zweig: Der Einfluss von Algorithmen auf die gesellschaftliche und politische Kommunikation und Entscheidungsfindung
Prof. Katharina Zweig von der TU Kaiserslautern befasste sich konkreter mit der politischen Bedeutung von Algorithmen. Ausgehend von ihrer Entstehung durch maschinelles Lernen, beschrieb sie beispielhaft gesamtgesellschaftliche Effekte von Algorithmen, etwa am Beispiel der Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken. Ihr Plädoyer: Der Fokus, gerade in Bildungskontexten, muss auf die Wirkungsmechanismen digitaler Medien gerichtet werden.
Prof. Dr. Wolfgang Sander: Das gesellschaftliche Problemfeld Digitalisierung als Aufgabe der politischen Bildung in Schulen
Zum Abschluss lieferte Prof. Dr. Wolfgang Sander einen Überblick über die politischen Herausforderungen der Digitalisierung und beschrieb insbesondere die Risiken für Demokratie (bspw. Stärkung von Rechtspopulismus durch Hetze im Netz), Freiheit (bspw. Gefahr des Social Scorings durch Algorithmen) und Bildung (bspw. drohender Verlust des tiefgreifenden Lesevermögens). Als Konsequenz für die politische Bildung forderte er einen Übergang "von der Medienkompetenz zur Medienkritik" und betonte die reflexive Haltung, die Schülerinnen und Schüler zu ihrem eigenen Mediennutzungsverhalten entwickeln müssen.
Workshops und Projektvorstellung: Wie wollen wir lernen?
In thematischen Workshops wurden ausgehend von der Frage "Wie wollen wir leben?" die KMK-Strategie, Fragen der Medienkompetenzförderung, Methoden digitaler Kommunikation und Herausforderungen für die Lehrerbildung diskutiert. Letztere stellten das Zentrum für Lehrerbildung der Universität Köln sowie das Land Baden-Württemberg anhand seiner Landesstrategie digital@bw vor: Die Entwicklung digitaler Lehr- und Lerninhalte auf curricularer Grundlage, verbindliche Seminare zu Mediendidaktik sowie Motivation zur Innovation und mehr E-Learning-Angebote für Lehrende waren einige der vorgestellten Ansätze.
Die Dokumentation der Ergebnisse der einzelnen Workshops finden Sie hier:
Workshop 1: Externer Link: Bildung in der digitalen Welt – Das Strategiepapier der KMK in der Diskussion
Workshop 2: Externer Link: Medienkompetenzförderung in Schulen: Neue Herausforderungen – neue Ziele - neue Wege?
Workshop 3: Externer Link: Digitalisierung der Gesellschaft als Herausforderung für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung
Workshop 4: Externer Link: Digitale Kommunikation als Thema in Schule und Unterricht – Medien und Methoden
Ein Blitzlicht digitaler Beispiel-Projekte, die sich mit der Frage selbstbestimmter und kritischer Mediennutzung beschäftigen, lieferten die Projektvorstellungen im Plenum, bei denen neben aula, dem Zentrum für LehrerInnenbildung der Uni Köln, Klicksafe, dem jfc Medienzentrum auch werkstatt.bpb.de vertreten war.
Hintergrundinformationen zur Veranstaltung
Die interdisziplinäre Fachtagung "Digitale Welt als Thema in Schule und Unterricht" der Bundeszentrale für politische Bildung und der Kultusministerkonferenz (KMK) fand am 15. November 2017 in Berlin statt. Thematisiert wurden digitale Medien vor allem als eigenständige Akteure der Gesellschaft und die damit verbundenen Herausforderungen für Schule und Unterricht. Das Tagungsprogramm zum Nachlesen