In Deutschland haben sich 64,7 Prozent der Wahlberechtigten an der Europawahl 2024 beteiligt. Dies ist der zweithöchste Wert bei einer Europawahl. Nur bei der ersten Wahl im Jahr 1979 war der Wert mit 65,7 Prozent höher. In den Jahren 1999 bis 2014 nutzten weniger als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme. Seit dem Tiefpunkt (43,0 %) bei der Wahl 2004 stieg die Wahlbeteiligung bei jeder Wahl an.
Wahlbeteiligung und Briefwahl Europawahl 2024
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64,7 Prozent der Wahlberechtigten haben bei der Europawahl 2024 in Deutschland ihre Stimme abgegeben, fast vier von zehn per Briefwahl. Wie ist die Wahlbeteiligung regional und EU-weit verteilt?
Im Vergleich der Altersgruppen lassen sich deutliche Unterschiede in der Wahlbeteiligung erkennen. Die niedrigste Wahlbeteiligung hatte die Gruppe der 21- bis 24-Jährigen mit 57,7 Prozent, während die 60- bis 69-Jährigen einen Wert von 68,9 Prozent erreichten.
In allen Altersgruppen ist die Wahlbeteiligung gegenüber der Europawahl 2019 zum Teil deutlich angestiegen. Am klarsten war der Anstieg in den mittleren Altersgruppen z.B. mit einem Plus von 6,6 Prozentpunkten bei den 35- bis 39-Jährigen. Auch bei den 25- bis 29-Jährigen (+6,4 %), den 30- bis 34-Jährigen (+6,5 %) und den 30- bis 34-Jährigen (+16,7 %) war der Anstieg deutlich.
Da der Anstieg in den mittleren Altersgruppen unterdurchschnittlich stark ausgefallen ist, hat sich der Unterschied zwischen der Altersgruppe mit der höchsten und der mit der niedrigsten Wahlbeteiligung deutlich verringert: Bis 2014 lag dieser Unterschied stets bei mehr als 20 Prozentpunkten, bei der Europawahl 2019 war er bereits auf 12,4 Prozentpunkte gesunken, 2024 unterschieden die Altersgruppen sich nur in bis zu 11,2 Prozentpunkten.
Die Wahlbeteiligung ist regional unterschiedlich verteilt: Während im Landkreis St. Wendel (Saarland) 75,8 Prozent der Wahlberechtigen ihre Stimme abgaben, beteiligten sich in Bremerhaven (Bremen) nur 47,5 Prozent an der Wahl. Insgesamt lag der Wert in 25 kreisfreien Städten oder Landkreisen über 70 Prozent und in elf unter 55 Prozent.
Betrachtet man die EU-weite Wahlbeteiligung bei den regulären Wahlen zum Europäischen Parlament seit 1979, so ist mit der Wahl von 2024 und dem Wert von 51,1 Prozent zum zweiten Mal überhaupt (nach 2019) ein Anstieg der Wahlbeteiligung zu beobachten. Diese war zuvor von 62,0 Prozent im Jahr 1979 bis auf 42,6 Prozent im Jahr 2014 gesunken.
In drei Staaten lag die Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2024 über 70 Prozent: In Belgien mit 89,0 Prozent, ebenso in Luxemburg (82,2 %) und Malta (73,0 %). Auf der anderen Seite hatten fünf EU-Mitglieder eine Wahlbeteiligung von unter 35 Prozent. Schlusslicht war dabei Kroatien mit 21,4 Prozent, gefolgt von Litauen (28,4 %), Bulgarien, Lettland (beide 28,9 %) und der Slowakei (34,4 %).
In fünfzehn Mitgliedsstaaten ist die Wahlbeteiligung gegenüber dem Jahr 2014 gestiegen. Den größten Anstieg verzeichneten dabei Ungarn (+16,1 %), Zypern (+13,9 %), Slowenien (+12,9 %) und die Slowakei (+11,7 %). In elf Mitgliedsstaaten ist die Wahlbeteiligung jedoch gesunken, z.B. in Litauen (-21,1 %), Griechenland (-17,3 %) oder Spanien (-11,5 %).
Blickt man auf längere Zeiträume, so ist Deutschland der einzige Mitgliedsstaat, in dem die Wahlbeteiligung seit der Wahl 2004 jedes Mal gestiegen ist – von 43,0 Prozent bei der Wahl 2004 auf 66,7 Prozent bei der Wahl 2024. Am anderen Ende ist die Wahlbeteiligung in Luxemburg (2004: 91,4 %; 2024: 82,2 %) und in Italien (2004: 71,7 %; 2024: 48,3 %) seit dem Jahr 2004 bei jeder Wahl gesunken.
Der Anteil der Wahlberechtigten, die ihre Stimme per Briefwahl abgegeben haben, ist bei den letzten Europawahlen stetig angewachsen. Gaben bei der ersten deutschlandweiten Erfassung der Briefwählenden im Jahr 1994 noch 10,9 Prozent der Wähler ihre Stimme per Briefwahl ab, so ist der Wert bis 2024 auf 37,7 Prozent gestiegen. Seit 2004 ist der Anteil der Briefwählenden in allen 16 Ländern bei jeder Wahl angestiegen, die Werte sind dabei jedoch unterschiedlich hoch. Während der Wert 2024 in Bayern bei 53,7 Prozent lag, nutzten in Sachsen-Anhalt nur 25,6 Prozent der Wählenden die Briefwahl.