In der Europäischen Union sind immer mehr Menschen erwerbstätig, seit Mitte der 1990er-Jahre hat ihr Anteil an der Bevölkerung deutlich zugenommen. Im Jahr 2017 lag die Erwerbstätigenquote der 20- bis unter 65-Jährigen in der EU-28 bei 72,2 Prozent – der höchste je in der EU verzeichnete Wert. Auffällig ist, dass sich die Quoten der einzelnen EU-Mitglieder häufig in dieselbe Richtung entwickeln – beispielsweise erhöhte sich die Erwerbstätigenquote zwischen 2010 und 2017 in 26 der 28 Staaten. Allerdings gibt es dabei zwei Einschränkungen. Zum einen bewegen sich die Quoten auf unterschiedlichem Niveau – 2017 lagen sie bis zu 20 Prozentpunkte auseinander. Zum anderen unterscheidet sich auch die Schwankungsbreite – beispielsweise sind in Estland und Lettland die Erwerbstätigenquoten im Zuge der Krise 2008/2009 um mehr als 10 Prozentpunkte gesunken und bis 2017 genauso stark wieder gestiegen, in der EU-28 lagen die Werte bei minus 1,7 bzw. plus 3,6 Prozentpunkten.
Fakten
Bis zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 war die Erwerbstätigenquote der 20- bis unter 65-Jährigen in der Europäischen Union (EU) zehn Jahre lang gestiegen. Zwischen 2008 und 2013 fiel die Quote der 28 EU-Mitgliedstaaten jedoch von 70,3 auf 68,4 Prozent. Im Jahr 2017 lag die Erwerbstätigenquote der EU-28 bei 72,2 Prozent – der höchste je in der EU verzeichnete jährliche Durchschnitt.
Allerdings weichen sowohl die Werte der einzelnen EU-Mitgliedstaaten als auch die der weiteren europäischen Staaten, für die Eurostat Daten zur Verfügung stellt, zum Teil erheblich vom EU-Durchschnitt ab: In drei Staaten lag die Erwerbstätigenquote der 20- bis unter 65-Jährigen im Jahr 2017 bei mehr als 80 Prozent – in dem EU-Mitglied Schweden (81,8 Prozent) sowie in Island (87,6 Prozent) und der Schweiz (82,1 Prozent). Darauf folgten Deutschland (79,2 Prozent), Estland (78,7 Prozent), Tschechien (78,5 Prozent), Norwegen (78,3 Prozent), das Vereinigte Königreich (78,2 Prozent) und die Niederlande (78,0 Prozent). Auf der anderen Seite der Skala standen 2017 neben Mazedonien (54,8 Prozent), der Türkei (55,3 Prozent) und Montenegro (58,2 Prozent) die EU-Staaten Griechenland (57,8 Prozent), Italien (62,3 Prozent) und Kroatien (63,6 Prozent). In Spanien, Belgien sowie Rumänien lagen die Erwerbstätigenquoten ebenfalls unter 70 Prozent.
Trotz der Niveauunterschiede entwickeln sich die Quoten der einzelnen EU-Mitglieder häufig in dieselbe Richtung. So ist die Erwerbstätigenquote der 20- bis unter 65-Jährigen zwischen 2002 und 2008 in 27 der 28 Staaten gestiegen – die einzige Ausnahme war Portugal (-0,5 Prozentpunkte). Zwischen 2008 und 2010 sank die Quote in 23 der 28 Staaten (davon abweichend stieg sie in Österreich und Rumänien leicht, in Malta, Deutschland und Luxemburg deutlicher). Schließlich erhöhte sich die Erwerbstätigenquote zwischen 2010 und 2017 wiederum in 26 der 28 EU-Mitgliedstaaten – lediglich in Griechenland und Zypern war sie in diesem Zeitraum rückläufig (-6,0 bzw. -4,2 Prozentpunkte).
Dabei ist beachten, dass sich – trotz dieser Gemeinsamkeiten – nicht nur das Niveau der Erwerbstätigenquoten der EU-Mitglieder unterscheidet, sondern auch die Schwankungsbreite. Beispielsweise stieg die Erwerbstätigenquote Estlands zwischen 2002 und 2008 um 9,1 Prozentpunkte (EU-28: 3,5), zwischen 2008 und 2010 ging sie um 10,3 Prozentpunkte zurück (EU-28: -1,7) und bis 2017 nahm sie wiederum um 11,9 Prozentpunkte zu (EU-28: 3,6). Auffallend hoch waren die Schwankungen auch in Lettland, Bulgarien, Litauen und Irland.
Um die Arbeitsmarktstatistik zu vervollständigen, ist es sinnvoll, neben der Erwerbstätigenquote auch die Erwerbsquote zu betrachten. Die Erwerbsquote entspricht hier dem Anteil der 20- bis unter 65-jährigen Erwerbspersonen – also nicht nur der Erwerbstätigen, sondern auch der Arbeitslosen – an der gleichaltrigen Bevölkerungsgruppe. Die Erwerbsquote gibt zusätzlich Auskunft über das Arbeitskräftepotenzial, weil sie auch die 20- bis unter 65-Jährigen berücksichtigt, die aktiv nach Arbeit suchen, aber keine Arbeit finden. Ein Beispiel: In Spanien lag die Erwerbstätigenquote im Jahr 2017 bei 65,5 Prozent und damit 3,0 Prozentpunkte unter der Erwerbstätigenquote Belgiens (68,5 Prozent). Die Erwerbsquote lag jedoch bei 78,9 Prozent und damit 5,2 Prozentpunkte höher als in Belgien (73,7 Prozent). Der Grund hierfür ist die deutlich höhere Arbeitslosenquote der 20- bis unter 65-Jährigen in Spanien (2017: 16,9 Prozent, Belgien: 7,0 Prozent). Gerade mit Blick auf die Arbeitsmarktpolitik macht es aber einen großen Unterschied, ob Arbeitsplätze für Arbeitslose oder für Nichterwerbspersonen (zum Beispiel Personen, die voll durch die Betreuung ihrer Kinder eingebunden sind) geschaffen werden sollen.
Von den 34 hier betrachteten Staaten hatte 2017 Island mit 89,7 Prozent die höchste Erwerbsquote bei den 20- bis unter 65-Jährigen. Darauf folgten Schweden (87,1 Prozent), die Schweiz (86,3 Prozent), Estland (83,5 Prozent), Deutschland (82,3 Prozent), Lettland (82,0 Prozent) und Litauen (81,9 Prozent). Die niedrigsten Erwerbsquoten hatten die Türkei (61,9 Prozent), Montenegro (69,3 Prozent), Italien (70,1 Prozent), die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (70,3 Prozent), Kroatien (71,2 Prozent), Rumänien (72,3 Prozent) sowie Griechenland (73,5 Prozent). Die sieben Staaten mit den niedrigsten Erwerbsquoten gehören alle zu den neun Staaten mit der niedrigsten Erwerbsbeteiligung von Frauen (bezogen auf die Erwerbsquote und die Erwerbstätigenquote).
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Weitere Informationen zu den Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern finden Sie
Die Erwerbstätigenquote entspricht dem Anteil der Erwerbstätigen an der gleichaltrigen Bevölkerung. Da sich jüngere Personen häufiger noch in der Ausbildung befinden, wird hier die Gruppe der 20- bis unter 65-jährigen Personen betrachtet.
Die Erwerbsquote gibt den Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) an der Bevölkerung derselben Altersgruppe in Prozent an. Hier beziehen sich die Erwerbsquoten auf die Altersgruppe der 20- bis unter 65-Jährigen.
Erwerbstätige sind grundsätzlich alle Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Bezugswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt oder zur Gewinnerzielung mindestens eine Stunde gearbeitet haben sowie alle Personen, die nur vorübergehend von ihrer Arbeit abwesend sind (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).
Die Erwerbspersonen (auch Erwerbsbevölkerung) setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Zu den Arbeitslosen zählen grundsätzlich alle Personen von 15 bis unter 75 Jahren, die während der Bezugswoche ohne Arbeit waren, die innerhalb der letzten vier Wochen aktiv eine Beschäftigung gesucht haben und die sofort bzw. innerhalb von zwei Wochen eine Beschäftigung aufnehmen könnten.