Artikel im

12. August: Internationaler Tag der Jugend | Hintergrund aktuell | bpb.de

12. August: Internationaler Tag der Jugend

Redaktion

/ 5 Minuten zu lesen

Am Internationalen Tag der Jugend machen die Vereinten Nationen auf die Interessen junger Menschen und deren politische Beteiligung aufmerksam. Protestbewegungen, aber auch die aktuelle Einstellungsforschung zeugen von einer neuen Politisierung Jugendlicher.

Studierende in Kalkutta/Indien demonstrieren am 27. September 2019 im Rahmen des globalen Klimastreiks für eine besser Klimapolitik. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Debarchan Chatterjee)

Weltweit sind die politischen und gesellschaftlichen Teilhabechancen junger Menschen häufig begrenzt – auch in vielen Demokratien. So waren 2018 beispielsweise weltweit nur 2 Prozent aller Abgeordneten in nationalen Parlamenten jünger als 30 Jahre.

Um dem entgegen zu wirken, rücken die Vereinten Nationen (engl. United Nation, UN) zum diesjährigen Internationalen Tag der Jugend das politische Engagement junger Menschen in den Mittelpunkt. Zum einen soll gezeigt werden, wie Jugendliche und junge Erwachsene politische Prozesse bereichern und zum anderen sollen Strategien diskutiert werden, wie ihre Repräsentation und ihr Engagement in politischen Institutionen verbessert werden können.

Mehr Mitwirkung durch Jugendquoten und Wahlrecht?

In den allermeisten Demokratien liegt das Alter, um auf nationaler Ebene an Wahlen teilnehmen zu können, bei 18 Jahren. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Österreich hat beispielsweise das Wahlalter landesweit auf 16 Jahre herabgesetzt, um die politischen Gestaltungsmöglichkeiten junger Menschen zu erweitern. Eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre wurde 2015 auch offiziell vom EU-Parlament gefordert und vom Interner Link: Europarat für die Mitgliedsstaaten empfohlen. Nach der letzten Europawahl im Mai 2019 lag das Durchschnittsalter im neu konstituierten EU-Parlament bei 49,5 Jahren. Der Altersdurchschnitt der EU-Bevölkerung lag im gleichen Zeitraum bei 43 Jahren (inklusive des Vereinigten Königreiches).

Um die Jugendbeteiligung auf EU-Ebene zu verbessern, hat die EU-Kommission im Dialog mit jungen Menschen elf Europäische Jugendziele erarbeitet. Diese sind in der europäischen Externer Link: Jugendstrategie der EU-Kommission für 2019 bis 2027 verankert. Sie sieht unter anderem die Einsetzung eines europäischen Jugendkoordinators vor und empfiehlt den Mitgliedstaaten die Einrichtung von Jugendvertretungen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene.

Eine bessere Repräsentation junger Altersgruppen in nationalen und lokalen Parlamenten fordert auch die Interner Link: Interparlamentarische Union (IPU), eine internationale Vereinigungsorganisation von Parlamenten. Sie kritisiert, dass insbesondere in Demokratien mit sehr jungen Bevölkerungen nur wenige Parlamentsabgeordnete unter 30 Jahre alt sind. Um den Anteil junger Menschen in nationalen Parlamenten zu erhöhen, empfiehlt die IPU daher parteiinterne Jugendorganisationen oder -flügel zu stärken, wie es sie beispielsweise in Deutschland bei allen größeren Parteien gibt. Zudem schlägt die IPU eine Deckelung von Wahlkampfausgaben oder eine stärkere Unterstützung junger Kandidatinnen und Kandidaten aus parteiinternen Geldern vor. So könne das häufig sehr unterschiedlich verteilte Wahlkampfbudget von Neulingen und etablierteren Parteimitgliedern ausgeglichen werden. Auch sollten junge Wählergruppen aktiver von den Parteien angesprochen werden.

Die IPU empfiehlt zudem, Jugendquoten einzuführen, mittels derer ein bestimmter Anteil an Parlamentssitzen, Parteiämtern oder Listenplätzen im Wahlkampf für junge Menschen vorgesehen werden kann. Jugendquoten sind bisher eher die Ausnahme, existieren jedoch in so unterschiedlichen Ländern wie beispielsweise El Salvador, Litauen, Tunesien, Schweden oder der Ukraine. In Deutschland ist die Einführung von Jugendquoten umstritten.

Jugendproteste

Repräsentation in Deutschland

In Deutschland sind die politischen Mitbestimmungsrechte von Jugendlichen vor allem bei Wahlen begrenzt. Bei Bundestagswahlen sind volljährige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger wahlberechtigt, bei Kommunalwahlen können 16- und 17-Jährige in über der Hälfte der Bundesländer ihre Stimme abgeben. Zudem dürfen in den beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie in den Bundesländern Brandenburg und Schleswig-Holstein auch 16-Jährige die Landtagsparlamente wählen.

Das passive Wahlalter, also das Alter ab dem eine Person in ein politisches Amt gewählt werden kann, liegt für die meisten Mandate bei 18 Jahren. Zu Beginn der laufenden Legislaturperiode waren dennoch nur zwei der 709 Mitglieder des Bundestages unter 25. Ein knappes Fünftel der Abgeordneten war jünger als 40. Zum Vergleich: Rund ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland waren Ende vergangenen Jahres zwischen 20 und 40 Jahre alt.



Doch es gibt auch für Minderjährige vielfältige Möglichkeiten, sich außerhalb der Parlamente politisch zu engagieren. So haben insbesondere Kommunen diverse Mitgestaltungsmöglichkeiten wie Kinder- und Jugendparlamente geschaffen.

Wahlrecht ab 16 bleibt umstritten

Gerade im Zuge der Klimabewegung zeigte sich zuletzt, dass sich viele Jugendliche von politischen Entscheidungen rund um Themen und Probleme, die sie direkt betreffen, ausgeschlossen fühlen. Nicht zuletzt deshalb fordern Politikerinnen und Politiker von Grünen, SPD und FDP eine Reduzierung des Wahlalters auf 16 Jahre. Kritikerinnen und Kritiker eines frühen Wahlrechts äußern hingegen die Befürchtungen, dass 16- und 17-Jährige leichter manipulierbar seien, zu wenig politisches Wissen und Interesse besäßen und aufgrund ihres Alters noch nicht die nötige Reife hätten. Die Argumente sind auf beiden Seiten vergleichbar mit denen, die 1970 der Interner Link: Absenkung des Wahlalters von 21 auf 18 Jahren vorangingen.

Die junge Generation ist politisiert

Eine neue Politisierung Jugendlicher zeichnet auch die jüngste Interner Link: SINUS-Jugendstudie aus dem Jahr 2020 in Deutschland nach. Die in rund 70 qualitativen Interviews befragten Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren beschrieben vor allem den Klimawandel als zentrale Frage der Generationengerechtigkeit. Allerdings gab die Mehrheit der interviewten Jugendlichen an, in keiner Form politisch aktiv zu sein – laut eigenen Aussagen auch aus einem Gefühl der Macht- bzw. Einflusslosigkeit heraus. Zudem beklagten sie die fehlende Teilhabe der jungen Generation an politischen Entscheidungsprozessen und die mangelnde Repräsentation im politischen Raum.

Grafiken aus der SINUS-Jugendstudie 2020 zum Thema Politik


Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die repräsentative Externer Link: Shell Jugendstudie 2019, die 2.572 junge Menschen im Alter zwischen 12 bis 25 Jahren befragte. Ähnlich wie in den Vorjahren bezeichneten sich rund 41 Prozent der Befragten als politisch interessiert oder stark interessiert, wobei vor allem Studierende Interesse an Politik äußerten (66%). Fast drei von vier Jugendlichen gaben an, am meisten Sorge bereite ihnen die Umweltverschmutzung, dicht gefolgt von der Angst vor Terroranschlägen (66%) und dem Klimawandel (65%).

Jugendbeteiligung in der Corona-Pandemie

Die anhaltende Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die politische Teilhabe von Jugendlichen aus. Durch Abstandsgebote und neue Versammlungsauflagen ist politische Partizipation im öffentlichen Raum derzeit nur eingeschränkt möglich. Gleichzeitig etablieren sich neue Formen des politischen Engagements beispielsweise durch eine verstärkte Verlagerung ins Internet.

Jugendverbände sowie medizinische Fachkräfte bemängeln, dass bei dem seuchenpolitischen Krisenmanagement die Interessen junger Menschen nicht ausreichend berücksichtigt würden. So beklagte unter anderen die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin im April 2020, dass die Rechte von Kindern und Jugendlichen nachrangig behandelt worden seien, beispielsweise weil Spiel- oder Sportplätze mitunter länger geschlossen blieben als Teile der Gastronomie. Mehre Jugendverbänden forderten zudem eine stärkere Einbeziehung von Jugendlichen, Fachkräften und deren Interessensvertretungen in zukünftige Entscheidungen über Maßnahmen und deren Lockerung.

Mehr zum Thema:

Weitere Inhalte

Weitere Inhalte

Das Europalexikon

Jugendpolitik der EU

Die J. umfasst Maßnahmen und Initiativen in Politikbereichen, die junge Menschen besonders betreffen (z. B. Bildung und Beschäftigung). Seit Mitte der 1990er-Jahre wird der Gestaltung der J. in der…

Hintergrund aktuell

Vor 50 Jahren: Wahlrecht für 18-Jährige

Wählen ab 18 – das geht in Deutschland seit 1972. Denn zwei Jahre zuvor hatte der Bundestag beschlossen, das aktive Wahlalter von 21 auf 18 Jahre abzusenken. Heute wird diskutiert, ob bereits…

Planspiel / Simulation

Partizipationsmöglichkeiten auf lokaler Ebene

Auf kommunaler Ebene gibt es vielfältige Möglichkeiten zur direkten Demokratie und politischen Partizipation: Zum einen wird in fast jeder Kommune der Gemeinderat und der/die Bürgermeister/-in…

GrafStat

Partizipation vor Ort

Das politische Engagement Jugendlicher beginnt im Kleinen und stellt den Grundstein zukünftiger Verhaltensmuster als aktive Bürgerinnen und Bürger dar. Daher ist die Gesamtkonzeption der…

Hintergrund aktuell

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention

Am 20. November 1989 beschlossen die Vereinten Nationen das Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Seither ist der Druck auf die Vertragsstaaten, Kinderrechte umfassend zu verankern, deutlich…

Dossier

Jugendkulturen in Deutschland (1950-2005)

Skinheads, Punks, Hooligans, Gothics, Skater oder Hip-Hopper: Nicht alle Jugendlichen schließen sich einer Jugendkultur an. Aber der Einfluss derjenigen, die mit ganzem Herzen dabei sind, ist nicht…

Themenseite

Kinder im Krieg

In Kriegen und bewaffneten Konflikten sind Kinder und Jugendliche besonders bedroht. Schon in jungen Jahren erleben sie Hunger, Flucht, Gewalt und staatliche Unterdrückung und verlieren häufig…

Falter
0,00 €

Kinderrechte

0,00 €
  • Pdf

In 196 Ländern weltweit gilt die UN-Kinderrechtskonvention. Der Falter im DIN-A0-Format veranschaulicht die verschiedenen Rechte und bildet die Inhalte der Konvention in kindgerechter Sprache ab.

  • Pdf
Thema im Unterricht
0,00 €

Wahlen für Einsteiger

0,00 €
  • Pdf

Wir haben die Wahl – nicht nur bei vielen Entscheidungen im Alltag. Irgendwann können wir auch an politischen Wahlen teilnehmen. Doch wie funktioniert das?

  • Pdf