Russlanddeutsche | bpb.de

Foto von einer Demonstration in der Bundesrepublik, vor 1985.
Dossier

Russlanddeutsche

Bereits Zar Peter I. warb in einem Manifest aus dem Jahr 1702 um deutschstämmige Offiziere für die Modernisierung seiner Streitkräfte. Doch erst ab 1763, mit dem "Kolonistenbrief" von Zarin Katharina II. und seiner Neuauflage 1804 unter Zar Alexander I., kamen zahlreiche Deutsche als Siedler nach Russland. Das sogenannte Kolonistenprivileg versprach ihnen eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Sonderstellung. Die deutschen Siedler wurden zu einer besonderen Bevölkerungsgruppe im Zarenreich – und mit ihrer eigenen Sprache, Kultur und Traditionen zu einem wichtigen Kapitel der russländischen Geschichte.

Mit dem Ersten Weltkrieg änderte sich die Situation für viele deutschstämmige Untertanen. Eine Zeit der Unterdrückung begann. Während der Sowjetzeit verstärkten sich die Repressionen, politisch-ethnisch motivierte Säuberungsaktionen folgten, bei denen alleine zwischen 1937 und 1938 aufgrund des Befehls "Deutsche Operation" mindestens 52.000 Russlanddeutsche verurteilt und erschossen wurden. Bis Ende 1941 wurden rund 900.000 nach Zentralasien und Sibirien deportiert. Die Marginalisierung und Unterdrückung ging weiter und endete auch nicht mit dem Tod von Josef Stalin 1953. Eine Ausreisebewegung entstand. Erst 1964 wurde die russlanddeutsche Minderheit rehabilitiert, jedoch nur unvollständig. So blieb die alltagskulturelle und staatlich-systematische Benachteiligung ein bestimmendes Element des Lebens vieler Deutschstämmiger in der Sowjetunion.

Mit der Liberalisierung unter Michail Gorbatschow Mitte der 1980er Jahre und der anschließenden Implosion des Sowjetimperiums veränderte sich die Lage ein weiteres Mal grundlegend. In der Folge kamen gut 2,3 Millionen sogenannte russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler und ihre Familienangehörigen im Rahmen von Artikel 116, Abs. 1 des Grundgesetzes sowie §§ 1 und 6 des Bundesvertriebenengesetzes und Flüchtlingsgesetzes von 1953 zurück in ihre "historische Heimat".

Erscheinungsdatum:
Familie Hummel im Kaukasus. Foto von 1863.

Von der Anwerbung unter Katharina II. bis 1917

Mit dem "Kolonistenbrief" von 1763 begann die Anwerbung von Siedlern, die vor allem im unteren Wolga- und Schwarzmeergebiet angesiedelt wurden. Die Kolonisten kamen mehrheitlich aus den deutschen…

Viktor Krieger

/ 13 Minuten zu lesen

1.12. 1988: Im Grenzdurchgangslager stehen Ausiedler vor dem Speiseraum Schlange. Das Durchgangslager ist bei einer täglichen Aufnahme von bis zu 900 Menschen hoffnungslos überfüllt.

Geschichte der Russlanddeutschen ab Mitte der 1980er Jahre

Seit Mitte der 1980er Jahre kamen gut 2,3 Millionen russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Heute ist die heterogene Großgruppe ein Teil der diversen…

Jannis Panagiotidis

/ 6 Minuten zu lesen

Ein Supermarkt in Ludwigsburg am 24.08.2017.

Vom Kolonisten in Russland zum Bundesbürger

Sie kamen als gerufene Kolonisten nach Russland, gelockt mit Vorteilen wie Selbstverwaltung, Glaubensfreiheit u.a. – und erlebten im 20. Jahrhundert eine Zeit der Unterdrückung, Verfolgung,…

Viktor Krieger

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Gemälde Das sinn die.... Heinrich Brogsitter, Öl auf Karton, 1995.

Die "Deutsche Operation"

Die "Deutsche-Operation" war der Beginn einer Reihe von Repressivmaßnahmen des kommunistischen Regimes, die als "nationale Linien" bezeichnet wurden. Faktisch waren es politisch-ethnische…

Alfred Eisfeld

/ 9 Minuten zu lesen

Nachbereitung eines Workshops von Merle Hilbk und Helena Goldt auf einer Fachtagung zum Thema Russlanddeutsche der Bundeszentrale für politische Bildung.

Identität und Ethnizität

"Deutsch", "russisch", "deutschrussisch" oder "russlanddeutsch": Wer sind die Menschen mit russlanddeutschem Migrationshintergrund? Welche Bedeutung haben Fragen nach Ethnizität, Identität und…

Jannis Panagiotidis

/ 10 Minuten zu lesen

Eine Sonderausgabe der Zeitung «Iswestija» zum 100-jährigen Jubiläum liegt am 13.3. 2017 in Moskau (Russland) auf einem Stapel russischer Zeitungen.

Russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler in russischen Medien

Russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler tauchen in russischen Medien meistens auf, wenn sie für die Verbreitung antiwestlicher Narrative als russische "Landsleute" instrumentalisiert werden können. Ein…

Nikolai Klimeniouk

/ 15 Minuten zu lesen

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